Im Waldhotel Arosa kam es mitten in der Wintersaison 2025/26 zu einem Wechsel an der Spitze. Nach knapp sechs Jahren verabschiedete sich Direktor Jens Fischer. Die Eigentümerschaft entschied, den Wechsel nicht aufzuschieben. [RELATED]

«Normalerweise sucht man keine neue Direktion in der Hochsaison. In diesem Fall hat es zeitlich für beide Seiten gepasst», sagt Jörg Röthlisberger, Verwaltungsrat des Waldhotels Arosa.

Mit Sylvain Vodermaier konnte der Betrieb früh einen Nachfolger verpflichten. Der neue Direktor hat seine Stelle Anfang Februar angetreten. Im Interview spricht er über seinen Einstieg, die Rolle der Stammgäste und darüber, warum er auf Weiterentwicklung statt Neupositionierung setzt.

Sylvain Vodermaier, Sie sind erstmals alleiniger General Manager eines 4-Sterne-Superior-Hotels. Was hat Sie auf diese Rolle vorbereitet?

Nicht die letzten Monate, sondern die letzten 25 Jahre. Ich habe eine klassische Ausbildung in der Hotellerie, ein betriebswirtschaftliches Studium und war fast zehn Jahre im Ausland tätig. Führung lernt man nicht punktuell, sondern im Alltag.

Sie haben mitten in der Hochsaison übernommen. Was zeigt sich in dieser Phase besonders deutlich?

Ein Haus mit enorm viel Geschichte. Die Tradition der Schweizer Sanatorien ist spürbar, gleichzeitig ist das Waldhotel heute ein Genusshotel mit Ferienhotelcharakter. Diese Mischung macht das Haus stark.

Wie erleben Sie den Einstieg im laufenden Betrieb?

Sehr intensiv, aber ehrlich. In der Hochsaison sieht man ein Hotel unverstellt. Abläufe, Team, Gästebedürfnisse – alles ist sichtbar. Das ist fordernd, aber genau das wollte ich. Man lernt schneller, wo ein Haus wirklich steht.

In der Hochsaison sieht man ein Hotel unverstellt. Abläufe, Team, Gästebedürfnisse, alles ist sichtbar.

Sie wollen das Waldhotel stärker als Ferienhotel positionieren. Wo steht es heute?

Bereits 90 Prozent unserer Gäste kommen nach Arosa, um Ferien zu machen. Im Winter ist das stark vom Schneesport geprägt. Gleichzeitig verfügen wir über einen gut etablierten Eventbereich. Diese Vielseitigkeit ist kein Widerspruch, sondern Teil der DNA. 

Wo setzen Sie inhaltlich an?

Ich muss hier nichts neu erfinden. Das Niveau ist hoch, das Gästefeedback sehr gut. Es geht um Akzente. Jeder Kontakt mit Mitarbeitenden soll für Gäste spürbar positiv sein. Kleine Erlebnisse, die hängen bleiben, machen am Ende den Unterschied.

Welche Rolle spielen die Stammgäste?

Eine sehr grosse. Viele kommen seit Jahrzehnten. Das ist Vertrauen, das man sich immer wieder neu verdienen muss. Mein Anspruch ist, diese Gäste mitzunehmen und gleichzeitig neue anzusprechen, die sagen: ‹Das lohnt sich.›

Woran sollen Gäste in einem Jahr merken, dass sich etwas verändert hat?

An der Selbstverständlichkeit kleiner Gesten im Service. Gäste sollen spüren, dass Dinge nicht zufällig passieren. Wenn diese Klarheit im Alltag ankommt, verändert sich das gesamte Erlebnis.

Wie wollen Sie das erreichen?

Indem wir aus der Sicht der Gäste statt aus der Perspektive des Betriebs denken. Wir werden Mitarbeiterschulungen durchführen und, wo nötig, Arbeitsabläufe anpassen. Das wird in kleinen Schritten zur Sicherung der bereits hohen Qualität betragen.