Wenn sich am 13. und 14. April die Tourismusbranche am «Connect Switzerland» in Zermatt trifft, gehört Richard Quest zu den prominentesten Stimmen auf der Bühne. Der CNN-Wirtschaftsjournalist beobachtet die globale Reiseindustrie seit Jahrzehnten. Vor seinem Auftritt in Zermatt erklärt er im Interview, warum Geschäftsreisen trotz Videokonferenzen und Klimadebatten nicht verschwinden werden und welche Veränderungen die Branche erwarten.
Richard Quest, Sie sind regelmässig in der Schweiz unterwegs. Was zieht Sie immer wieder hierher?
Das WEF in Davos steht jeweils am Anfang des Jahres, und mit der Zeit haben wir begonnen, in der Woche danach noch Dreharbeiten anzuhängen. Dann fahren wir vielleicht in ein Resort oder nach Zürich oder Genf. So habe ich über die Jahre ziemlich viel von der Schweiz gesehen. Interessanterweise war ich aber noch nie privat in den Ferien in der Schweiz. Das ist eigentlich beschämend, denn im Winter könnte man Ski fahren, im Sommer wandern – es hätte sich längst angeboten. Genf und Zürich gehören aus unterschiedlichen Gründen zu meinen Lieblingsstädten.
Für Geschäftsreisende zählen vor allem Bequemlichkeit und Verlässlichkeit.
Was verschafft einer Destination heute einen Vorsprung im Geschäftstourismus?
Das ist eigentlich ganz einfach: Bequemlichkeit und Einfachheit. Wer geschäftlich reist, möchte sicher sein, dass alles funktioniert. In der Schweiz weiss man: Das WLAN funktioniert – vielleicht ist es teuer, aber es funktioniert. Die Restaurants sind da – vielleicht teuer, aber zuverlässig. Der ÖV, die Taxis – ebenfalls teuer, aber sie funktionieren. Diese Verlässlichkeit und die einfache Zugänglichkeit sind entscheidend. Dazu kommt der Komfort. Es gibt vielleicht nicht überall goldene Wasserhähne oder Ultra-Luxus. Aber der Standard des Normalen ist in der Schweiz höher als in vielen anderen Ländern – und genau das schätze ich sehr.
Das ganze Interview mit CNN-Moderator Richard Quest zum Nachhören
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Woran erkennen Sie nach der Ankunft sofort, ob eine Destination Geschäftsreisende versteht?
Ich gebe Ihnen eine Antwort, die Ihnen vielleicht nicht gefallen wird. Ein Beispiel ist die Passkontrolle. In der Schweiz können Inhaber von Nicht-EU-Pässen vielerorts noch immer nicht einfach die automatischen Passkontrollen nutzen. Ich kenne die Gründe dafür. Aber wenn man sieht, wie Grossbritannien mit biometrischen Passlesern arbeitet, fragt man sich schon, warum Briten die Automaten in der Schweiz nicht nutzen können, während Schweizer sie in Grossbritannien verwenden dürfen. Solche Dinge wirken wie unnötige Bürokratie und tun den Flughäfen nicht unbedingt gut. Ansonsten sind es ganz einfache Faktoren: Wie effizient funktioniert die Einreise? Wie schnell kommt das Gepäck? Wie gut sind Fahrdienste ausgeschildert? Muss man erst einen Bus nehmen? Und dann gibt es kleine Details, die viel über eine Destination aussagen. Zum Beispiel: Gibt es kostenlose Gepäckwagen? In den USA muss man dafür bezahlen, im Vereinigten Königreich nicht. Für mich ist es ein Zeichen mangelnder Gastfreundschaft, wenn Menschen nach einem langen Flug noch Geld für einen Gepäckwagen bezahlen müssen.
Warum reisen Menschen für Meetings um die Welt, obwohl Videokonferenzen möglich sind?
Ganz einfach: Es gibt keinen Ersatz für persönliche Begegnungen. Nach der Pandemie hiess es oft, viele Geschäftsreisen würden verschwinden – etwa Tagesreisen zwischen Städten wie Frankfurt und Zürich, weil man alles via Bildschirm erledigen könne. Teilweise stimmt das auch: Wenn sich ein Meeting problemlos digital durchführen lässt, wird man die Reise oft nicht mehr machen. Aber persönlicher Kontakt bleibt unersetzlich. Wenn man grosse Messen besucht, versteht man sofort, warum Menschen dorthin kommen: wegen des immateriellen Vorteils, sich die Hand zu geben, sich zu begrüssen und zu sagen: «Schön, dich zu sehen.»
Wie würden Sie ein paar freie Tage in der Schweiz verbringen?
Wenn Sie mir ein paar Tage in der Schweiz geben würden, würde ich – je nach Jahreszeit – sofort in ein Resort oder Spa fahren. Vielleicht würde ich ein wenig Ski fahren, auch wenn man dafür fast eine Hypothek braucht. Oder ich würde wandern gehen. Segeln auf einem See würde ich ebenfalls gern, obwohl ich darin ziemlich schlecht bin. Was ich besonders geniessen würde, wäre ein gutes Spa: Gesundheit, Wohlbefinden, ein bisschen Detox und gutes Essen. Die Schweiz bietet vielerorts frische Luft und eine Umgebung, die einfach gut tut. Wenn ich also ein paar Tage in der Schweiz verbringen dürfte, bräuchte es nicht viel: ein schönes Resort, eine gute Massage und hervorragendes Essen. Nichts Ausgefallenes – einfach gutes Essen. Dann wird das eine gute Zeit.
«Connect Switzerland» 2026 in Zermatt
Rund 1200 Vertreterinnen und Vertreter aus Destinationen, Hotellerie, Transport, Kultur und Politik werden am 13. und 14. April zum «Connect Switzerland» von Schweiz Tourismus in Zermatt erwartet. Das Programm umfasst Keynotes, Podiumsdiskussionen und Breakout-Sessions zu aktuellen Entwicklungen im Tourismus sowie zahlreiche Möglichkeiten für Austausch und Networking.
Zur Eröffnung spricht Shaikha Al Nowais, Generalsekretärin von UN Tourism und erste Frau in diesem Amt. Ebenfalls zu den internationalen Stimmen im Programm gehört der CNN-Wirtschaftsjournalist Richard Quest.
Programm, Informationen und Anmeldung
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