Nach seinen Wanderjahren möchte Murat Baki ankommen. Anfang Juli übernahm der 42-Jährige mit Wurzeln im Schwarzwald die Direktion des 3-Sterne-Superior-Hotels Gunten. Zuvor prägten ihn Stationen im Hotel La Couronne der Genossenschaft Baseltor in Solothurn und im historischen Kloster Fischingen.
Ein Gespräch über Führung, klösterliche Gelassenheit und die Ausbildung der nächsten Generation.
Murat Baki, Sie wussten bereits als 14-Jähriger, dass Sie Hoteldirektor werden wollten. Was begeistert Sie noch heute an diesem Beruf?
Es ist nach wie vor der Kontakt zu den Menschen. In einer Umgebung agieren zu dürfen, in der man mit verschiedensten Kulturen und Nationen zu tun hat, bedeutet mir viel. Wenn man die Menschen und die Welt so mag, wie sie sind, dann ist die Hotellerie das Grösste. Dieses Empfinden hatte ich schon als Bub, und es hat mich nie verlassen.
Welche Gelassenheit aus den klösterlichen Mauern in Fischingen nehmen Sie mit an den Thunersee?
Ich habe in den letzten Jahren gelernt, geschichtsträchtigen Orten und ihren Besitzern und Betreibern mit Demut und Respekt zu begegnen. Diese Häuser haben eine eigene Kultur. Ich sehe mich als Teil dieser Geschichte, die ich weiterführen werde. Das Hotel gehört seit 1958 der Gefab-Genossenschaft. Sie hat einen freikirchlichen Hintergrund.
Die Menschen, die sich hier engagieren, sollen gesehen werden.
Wie zeigt sich dieser Hintergrund im Alltag überhaupt?
Wir sind ein weltoffenes Haus, das allen Menschen gleichermassen offensteht. Der christliche Hintergrund der Trägerschaft spiegelt sich in der Gastfreundschaft wider, die bei uns im Zentrum steht. Dass wir einen sehr hohen Anteil an treuen Stammgästen haben, zeigt mir, dass diese Form der gelebten Herzlichkeit geschätzt wird.
Was reizt Sie an der Genossenschaft als Besitzerin im Vergleich zu internationalen Ketten?
Man denkt oft fälschlicherweise, dass Genossenschaften träge seien. Das Gegenteil ist der Fall. Die Gefab befindet sich gerade in einem Strategiewandel und verbindet Werte wie Geschichte und Kultur beeindruckend mit der Moderne. Mich begeistert, wie sich das Gremium selbst hinterfragt und Innovation zulässt. Dass die Genossenschaft auch soziale Aspekte wie das Führen eines Pflegeheims abdeckt und auf christlichen Werten der Gastfreundschaft basiert, macht sie für mich zu einem wunderbaren Arbeitgeber.
Sie bringen viel Erfahrung von verschiedenen renommierten Stationen mit. Was ist Ihnen als Direktor wichtiger: perfekte Abläufe oder starke Mitarbeitende?
Natürlich sind Abläufe wichtig, und sie müssen deshalb ständig überprüft werden. Aber: Die Menschen, die sich hier engagieren, sollen gesehen werden und im Mittelpunkt stehen – denn sie sind es, die Gastfreundschaft erst ermöglichen. Ein grosses Thema in Gunten ist die Ausbildung: Sie beschäftigen elf Lernende.
Wie begeistern Sie junge Menschen heute?
Junge Menschen müssen ihre Vorbilder erleben.
Wie meinen Sie das?
Junge Menschen müssen spüren, dass ihre Vorgesetzten mit Freude in ihrer Berufung arbeiten. Ich nehme sie als «Zukunftstalente» wahr. Ich nehme sie aber auch an die Hand und beziehe sie ein. Wenn man sie aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen lässt, sieht man das Leuchten in ihren Augen.
Wie sieht Ihr Führungsstil aus?
Ich fordere, fördere und schule das Team gezielt, um uns auf einem hohen Professionalitätsniveau zu halten und in Teilbereichen noch dorthin zu bringen. Dabei soll jede und jeder Einzelne die Möglichkeit haben, authentisch die eigene Bestleistung zu erbringen, damit wir das Haus gemeinsam beleben können. Wenn unsere Gäste am Ende spüren, dass wir mit Herz bei der Sache sind, dann ist das für mich gelebte Qualität.
Das Bootshaus mit Spa ist das Aushängeschild des Hotels. Wo sehen Sie darüber hinaus das grösste Potenzial Ihres Hauses?
Das Haus ist als Sommerferienbetrieb mit direkter Seelage exzellent positioniert. Während die Auslastung im Sommer 95 Prozent erreicht, liegt sie im Winter derzeit bei 50 Prozent. Dabei bietet die Region gerade in der kalten Jahreszeit besondere Ruhe und Erholung. Hier sehe ich noch Potenzial, sowohl im Leisure- als auch im Businessbereich.
Nach vielen Stationen in Ihrer Karriere: Ist Gunten nun ein langfristiger Hafen für Sie?
Definitiv. Ich bin jetzt 42, und man sagt ja, dass die «Wanderjahre» irgendwann vorbei sind. Ich habe meinen Erfahrungsschatz in den letzten Jahren enorm erweitern dürfen. All die grossartigen Betriebe und Menschen, die ich auf meinem Weg kennenlernen durfte, haben mich zu dem geformt, der ich heute bin. Nun spüre ich aber den Wunsch, anzukommen. Meine Familie ist bereits dazugestossen, und wir haben in der Nähe des Hotels ein neues Zuhause gefunden. Ich möchte hier am Thunersee Wurzeln schlagen.
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