Hafners Weg führte vom schwäbischen Heidenheim über das «Badrutt’s Palace» in St. Moritz in die Weltzentren der Luxushotellerie. Nach prägenden Jahren bei Mandarin Oriental in München, Bangkok und den USA übernahm er kürzlich die Leitung an der Zürcher Bahnhofstrasse. In einem Haus, das bereits mit fünf Sternen von Forbes und dem Restaurantführer «Gault Millau» als «Hotel des Jahres» ausgezeichnet wurde, sieht er seine Aufgabe darin, den Mitarbeitenden den Rücken fürs Wesentliche freizuhalten: den Gast. Ein Gespräch über globale Standards und lokale Verwurzelung. [RELATED]

Joachim Hafner, Sie haben in Weltmetropolen wie Bangkok gearbeitet. Warum nun Zürich?
Für mich war die Markenhotellerie immer ein Motor, um mein Karrierewachstum mit meiner Reiselust zu verbinden. Zürich ist nun eine spannende Rückkehr in den Alpenraum. Das Haus ist ein Juwel – klein genug, um individuell zu sein, aber mit der Strahlkraft einer Weltmarke.

Die Kritik am Luxus heute lautet oft: zu viel Technik, zu wenig Herz. Wie steuern Sie gegen?
Wir müssen beides bieten. Unsere Gäste wollen keinen Check-in-Automaten, sie schätzen das Persönliche. Aber sie wollen Effizienz. Wenn ein Gast seine Room-Service-Bestellung lieber ohne langes Telefonat via App-Chat aufgibt, müssen wir das ermöglichen. Luxus bedeutet heute, dem Gast die Wahl des Kanals zu überlassen, ohne dass die Empathie verloren geht.

Unsere Gäste schätzen den persönlichen Austausch.

Wo sehen Sie das grösste Potenzial für das Zürcher Haus?
Wir wollen nicht nur eine Adresse für internationale Board-Meetings sein. Das Haus soll für Zürcherinnen und Zürcher zum Treffpunkt werden – sei es im Restaurant Orsini oder im Sommer auf unserer 1838 Rooftop Terrace. Wir wollen ein «To-go-Spot» für die Stadt werden.

Sie sind seit einer Woche im Amt. Was steht in Ihrem Notizbuch?
Ich bin in der Zuhörphase. Es wäre falsch, am siebten Tag wie ein Bulldozer durchs Haus zu gehen, nur weil man internationale Erfahrung mitbringt. Ich treffe jede Abteilung, um zu verstehen, wo ich administrative Prozesse verbessern und Kollegen unterstützen kann. Mein Job ist es, Hindernisse wegzuräumen, damit das Team wieder mehr Zeit direkt beim Gast verbringen kann. Das ist die wichtigste Optimierung.