Ist Sporttourismus im Tessin eine Nische oder ein strategisches Zukunftsfeld? Rund 90 Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Eventmanagement, Politik, Wirtschaft und Sport diskutierten am VSTM/ASMT-Netzwerkanlass im Centro Sportivo Tenero über Chancen und Perspektiven. Die Ansätze reichen vom Breitensport über Grossinfrastrukturen bis zur touristischen Angebotsentwicklung.

Sporttourismus braucht Kooperation, Koordination und eine langfristige Perspektive.

Die Ausgangslage ist vielversprechend. Der globale Sporttourismusmarkt wächst seit Jahren dynamisch und entwickelt sich zu einem der bedeutendsten Segmente der Reisebranche. Gleichzeitig verfügt das Tessin über zahlreiche Voraussetzungen, um von dieser Entwicklung zu profitieren: eine südliche Lage mit mildem Klima, eine moderne Tourismusinfrastruktur, attraktive Sportanlagen sowie eine einzigartige Kombination aus Natur, Freizeit und Gastfreundschaft.

Das Potenzial reicht vom nationalen Jugendsportzentrum in Tenero über die neue CMFG-Arena in Sigirino bis zur Positionierung Bellinzonas als Sportstadt. Auch Sportevents und Trainingslager in der Region Ascona-Locarno können die Saison verlängern. Sport schafft touristische Nachfrage, generiert Wertschöpfung und stärkt die Sichtbarkeit einer Destination. Projekte wie der Polo Sportivo e degli Eventi in Lugano und das Eidgenössische Turnfest 2031 unterstreichen diese Bedeutung. Der Blick über die Kantonsgrenzen zeigt erfolgreiche Modelle und Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Herausforderung besteht darin, dieses Potenzial gemeinsam zu nutzen. Sporttourismus braucht Zusammenarbeit, Koordination und eine langfristige Perspektive. Öffentliche Institutionen, Tourismus, Sportverbände, Veranstalter, Gemeinden und Unternehmen müssen sich als gemeinsames Ökosystem verstehen.

Langfristiger Erfolg entsteht nicht allein durch Infrastruktur und Veranstaltungen. Gefragt ist ein klares Profil, das die Stärken des Tessins verbindet: Klima, Landschaft, Erreichbarkeit, Gastfreundschaft, Sportanlagen und sportliche Vielfalt. Erst eine Positionierung schafft Wiedererkennbarkeit, Differenzierung und nachhaltige Wertschöpfung.

Das Tessin verfügt über die Infrastruktur, die klimatischen Bedingungen, die Kompetenz und die Leidenschaft. Was nun zählt, ist der gemeinsame Wille von Institutionen, Unternehmen, Veranstaltenden sowie touristischen Akteuren, diese Stärken zu bündeln. Eine klare Vision und ein gemeinsames Verständnis darüber, wofür das Tessin im Sporttourismus stehen will, werden entscheidend sein. Gelingt dieser Schulterschluss, kann sich der Sporttourismus zu einem prägenden Bestandteil der touristischen Identität des Tessins entwickeln.

Mattia Storni ist Director of Strategy & Business Development bei Ticino Turismo und Vorstandsmitglied des VSTM.