«Wir müssen ehrlich sein: Wir haben es hier mit einer Ruine zu tun», sagte Mario Cavigelli, Präsident der Verwaltungskommission der Infrastrukturunternehmung Regionalflughafen Samedan (Infra), am Dienstag nach der Sitzung der Flughafenkonferenz.[RELATED]
Bestehende infrastrukturelle Probleme würden derzeit nur zurückhaltend behoben. Grund dafür sei die Hoffnung, die Infrastruktur bald vollständig erneuern zu können.
Der Flugplatz Samedan stammt aus dem Jahr 1938. Am 17. August 2025 hatten über 54 Prozent der Stimmberechtigten der elf Oberengadiner Gemeinden dem Erneuerungsprojekt zugestimmt. Geplant sind unter anderem neue Betriebsgebäude, ein Flugzeughangar, die Erweiterung und Sanierung des Vorfelds, ein neuer Tower sowie ein Sicherheitszaun.
Beschwerde verhindert Baustart
Eine Beschwerde verlangt die Aufhebung der Volksabstimmung. Das Bundesgericht hat sich bereits zur aufschiebenden Wirkung geäussert, über die Beschwerde selbst aber noch nicht entschieden. Damit bleiben insbesondere die Detailplanung und die Kreditfreigaben für die zweite Etappe blockiert.
Auch der Bau des Sicherheitszauns verzögert sich. Gegen diesen wurde zwar keine Einsprache erhoben, der für das dritte Quartal 2026 geplante Arbeitsbeginn kann wegen des laufenden Verfahrens dennoch nicht wie vorgesehen erfolgen.
Vom Tisch scheint dagegen die Aufsichtsbeschwerde der Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde S-chanf. Diese hatte im Juni eine Sonderuntersuchung sowie eine Klärung der Buchhaltungs- und Rechnungslegungspraxis der Infra verlangt. Das kantonale Finanz- und Gemeindedepartement sah im August keinen Anlass für ein aufsichtsrechtliches Einschreiten und blieb auch nach einem Wiedererwägungsgesuch bei dieser Haltung.
Abschluss bis 2031 kaum mehr realistisch
Sollte das Bundesgericht zugunsten des Projekts entscheiden, muss die Flughafenkonferenz anschliessend die entsprechenden Budgetpositionen freigeben. Erst danach können die Bauarbeiten beginnen. Laut Cavigelli wurden inzwischen Beschlüsse vorbereitet, damit Aufträge an Planer und Unternehmen zeitnah vergeben werden können.
Der ursprünglich vorgesehene Abschluss der Arbeiten bis 2031 dürfte kaum zu halten sein. «Es ist äusserst schwierig und wahrscheinlich nicht realistisch, die Arbeiten innerhalb von fünf Jahren abzuschliessen», sagte Cavigelli.
7,6 Millionen Franken Investitionen für 2027
Die Flughafenkonferenz genehmigte zudem das Budget 2027. Es sieht Investitionen von 7,6 Millionen Franken vor. Laut ihrem Vorsitzenden Claudio Dietrich befindet sich die Infra in einer soliden finanziellen Lage.
Auf Fragen von Gemeindevertretenden zu angeblichen Schulden erklärte Dietrich, die Bilanz 2025 weise zwar eine buchmässige Überschuldung aus. Tatsächliche Schulden bestünden jedoch nicht. Dem Budget stimmten die Gemeindevertretenden zu, einzig Samedan votierte dagegen. (keystone-sda)