Dominik Wyss, klären wir zuerst die Besitzverhältnisse. Gehören das Aparthotel Beinwil am See und das Hotel Bären Seengen nun Aargauhotels?
Die beiden Hotels gehören, wie die meisten unserer Hotels, dem Aargauer Unternehmer Rolf Kasper. Die Aargauhotels hat jedoch die Betreibergesellschaft der beiden Hotels, Hallwilersee Hotels AG, übernommen und betreibt sie nun operativ weiter.[RELATED]
Was war ausschlaggebend für die Übernahme der beiden Betriebe?
Beide Häuser sind vor wenigen Jahren saniert worden und weisen eine gute Qualität auf. Gleichzeitig waren wir bisher am Hallwilersee nicht präsent. Strategisch passt das sehr gut, auch weil wir mit dem Hotel Villmergen bereits einen Betrieb in der Nähe haben. So können wir Angebote besser bündeln und Gäste gezielt platzieren.
Hat es auch mit dem Rückzug des vorherigen Besitzers aus dem Geschäftsleben zu tun?
Ja. Der bisherige Betreiber Willi Niffenegger war seit Längerem pensioniert und wollte sich vollständig aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Für uns war wichtig, dass die Betriebe nicht schliessen müssen, sondern weitergeführt werden. Genau hier sehen wir unsere Rolle als regionale Betreiberin.
Wie wollen Sie die Betriebe positionieren?
Das Aparthotel deckt klar den Apartmentbereich ab, während der Bären ein klassisches Hotel mit zusätzlichen Apartmentangeboten ist. Diese Kombination erlaubt es uns, flexibler auf unterschiedliche Gästebedürfnisse zu reagieren, sei es für ein Wochenende oder für längere Aufenthalte.
Der Aargau gilt nicht als klassische Feriendestination. Wie sieht die Gästestruktur am See aus?
Am Hallwilersee ist der Freizeitanteil deutlich höher als man denken könnte. Ein Fünftel sind Ferien- oder Wochenendgäste, vor allem im Sommer. Daneben haben wir Geschäftsreisende, Handwerker sowie Gäste aus Industrie und Gewerbe. Die Mischung ist wichtig für eine stabile Auslastung.
Wie entwickeln Sie die beiden Betriebe weiter?
Wir setzen auf Professionalisierung und bessere Vernetzung innerhalb der Gruppe. Die beiden Häuser werden operativ über das Hotel Villmergen geführt, wodurch wir Synergien nutzen und Prozesse bündeln können. Gleichzeitig wollen wir das hotelorientierte Denken stärken. In Zusammenarbeit mit Seetal Tourismus sehen wir Potenzial, gezielt zusätzliche Übernachtungsgäste an den Hallwilersee zu bringen.
Sind weitere Investitionen geplant?
Nein. Beide Häuser wurden vor rund fünf bis sechs Jahren umfassend erneuert, inklusive der Bären-Lounge. Der Zustand ist sehr gut. Perspektivisch könnte es bei der Lounge Erweiterungen geben, das ist aber derzeit kein konkretes Projekt.
Aargauhotels betreibt mehrere ältere, kostenintensive Betriebe. Wie bleiben diese wirtschaftlich tragfähig?
Das ist eine Herausforderung. Wir zentralisieren viele Prozesse im Hintergrund, etwa die Finanzbuchhaltung und das HR. Gleichzeitig hilft unsere Grösse im Einkauf. Wo technische Grenzen bestehen, versuchen wir dies mit weichen Faktoren wie Kulinarik und Gastfreundschaft auszugleichen.
Wenn man über Gästestrukturen, Auslastung und Weiterentwicklung spricht, landet man schnell bei der Infrastruktur. Welche Bedeutung messen Sie der Hotelinfrastruktur für den Kanton Aargau bei?
Die Logiernächte im Aargau sind nach Corona deutlich gewachsen. Ein gutes Beispiel ist Spreitenbach. Dort sind in den letzten Jahren neue Hotels wie das Harry’s Home Zürich-Limmattal eröffnet worden. Diese zusätzlichen Betten haben direkt zu mehr Logiernächten geführt und die Region belebt, weil Gäste vor Ort übernachten, konsumieren und Angebote nutzen. Ohne Hotels gäbe es diese Nachfrage nicht. Überträgt man das auf das Seetal, wird klar, wie wichtig eine funktionierende Hotelinfrastruktur ist, damit Tourismusorganisationen Angebote überhaupt verkaufen können.
Wie sieht der Blick nach vorne aus?
Ende 2027 eröffnen wir in Aarau ein Aparthotel mit 28 Einheiten als Mieter. Weitere Projekte prüfen wir sorgfältig.
