Als sich der Schweizer Wirteverband, der Schweizer Hotelier-Verein und die Union Helvetia 1926 zusammenschlossen, war die Idee bemerkenswert: Arbeitgeber und Arbeitnehmer wollten gemeinsam dafür sorgen, dass die Ausbildung mit den Anforderungen des Gastgewerbes Schritt hält. Dafür gründeten sie die Schweizerische Fachkommission für das Gastgewerbe. Ihre Nachfolgeorganisationen GastroSuisse, HotellerieSuisse und Hotel & Gastro Union tragen Hotel & Gastro formation Schweiz bis heute. [RELATED]
Seither haben sich Berufe, Arbeitswelt und Bildungswege stark verändert. Die Organisation schuf neue Ausbildungsangebote, öffnete Zugänge für weitere Zielgruppen und passte ihre Strukturen den Bedürfnissen der Praxis an. Dazu gehörten Kurse für Stellensuchende ebenso wie neue berufliche Grundbildungen, Bildungswege für kaufmännische Fachpersonen oder Programme für Menschen ohne Berufsabschluss. Auch die finanzielle Unterstützung von Aus- und Weiterbildungen wurde zu einem wichtigen Bestandteil. Seit 2025 trägt sie ihren heutigen Namen Hotel & Gastro formation Schweiz. Mit den Aufgaben wuchs auch die Organisation kontinuierlich weiter. Ab Mitte der 1980er-Jahre kam Weggis als neuer Standort hinzu. Dort entstand ein eigenes Schulzentrum, das 1988 eröffnet wurde und heute als Bildungszentrum Weggis (BZW) geführt wird. Auch in der Westschweiz ist Hotel & Gastro formation Schweiz mit einer eigenen Geschäftsstelle präsent.
Heute entwickelt die Organisation gemeinsam mit ihren Trägerverbänden Berufsbilder und Bildungsangebote, gestaltet die berufliche Grundbildung und die höhere Berufsbildung und koordiniert nationale Bildungsprojekte. Ihre Angebote richten sich dabei an Menschen in unterschiedlichen Phasen des Berufslebens.
Stimmen aus der Branche zum Jubiläum
«100 Jahre Hotel & Gastro formation Schweiz stehen für Qualität, Professionalität und gelebte Partnerschaft. Über Generationen hinweg wurden Berufsleute geprägt, gefördert und auf ihrem Weg begleitet. Ich bin stolz, Teil dieser Geschichte zu sein, und wünsche weiterhin viel Mut und Zusammenhalt! Herzliche Gratulation!»
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Esther Lüscher, Präsidentin Hotel & Gastro Union
«Gelebte Partnerschaft und starke Berufsbildung prägen die 100-jährige Geschichte von Hotel & Gastro formation Schweiz. GastroSuisse ist stolz, diesen Weg seit der Gründung mitzugestalten. Wir wünschen weiterhin Mut, Weitsicht, Innovationskraft und viel Erfolg bei der Förderung unserer Fachkräfte.»
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Beat Imhof, Präsident GastroSuisse
«100 Jahre Engagement für starke Berufe und gut ausgebildete Fachkräfte: Dafür steht Hotel & Gastro formation Schweiz. Als Mitträgerin sind wir stolz auf diesen gemeinsamen Weg. Für die Zukunft wünsche ich weiterhin viel Mut, Weitsicht und Begeisterung für unsere Branche.»
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Martin von Moos, Präsident HotellerieSuisse
Timeline – Meilensteine
1926: Gründung des Vereins Schweizerische Fachkommission für das Gastgewerbe am 22. April 1926.
1985–1988: Weggis: 1985 Gründung der Stiftung Schulzentrum Weggis SFG. 1986 Erwerb des ehemaligen Bürger- und Altersheims Eggisbühl im Baurecht und Aus- und Anbau zum Schulzentrum. 1987 Verlegung des Geschäftssitzes von Zürich nach Weggis. 1988 Eröffnung des Schulzentrums Weggis.
1996: Aufbau und Umsetzung der Perfecto-Kurse für Stellensuchende aus der Branche.2002: Konzept und Aufbau der kaufm. Branche Hotel-Gastro-Tourismus HGT mit Start 2003: Verlegung der Geschäftsstelle Westschweiz von Morges nach Lonay.
2005: Einführung der fünf neuen Grundbildungen für die Gastronomieberufe; Auftrag und Entwicklung der Integrationsvorlehre Riesco Gastronomie.
2010: Lancierung Subventionsprogramm L-GAV.
2025: Namensänderung zu Hotel & Gastro formation Schweiz; Umbenennung des Zentrums zu Bildungszentrum Weggis (BZW); Umbau Räumlichkeiten 2. UG zu einer Aula im BZW.
Nachgefragt bei Sabrina Camenzind, Direktorin Hotel & Gastro formation Schweiz
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Sabrina Camenzind, worin liegt für Sie die wichtigste Leistung von Hotel & Gastro formation Schweiz?
Rund eine Viertelmillion Menschen haben ihre berufliche Karriere in Hotellerie oder Gastronomie gestartet. Das ist eine grosse Leistung. Besonders ist auch, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände gemeinsam für die Entwicklung des Nachwuchses einstehen. Diese geteilte Verantwortung für eine gute Berufsbildung ist heute genauso wichtig wie vor 100 Jahren.
Wo sehen Sie derzeit den grössten Handlungsbedarf?
Wir müssen die Berufsbildung konsequenter auf die Arbeitswelt und die Bedürfnisse künftiger Generationen ausrichten. Die Berufslehre bleibt das Fundament. Gleichzeitig brauchen wir zusätzliche Wege für Erwachsene, Quereinsteigende und Menschen mit unterschiedlichen Bildungsbiografien. Für junge Menschen muss die Lehrzeit von Wertschätzung geprägt sein und Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung bieten. Und wir müssen zeigen, wie vielseitig die Branche ist und welche beruflichen Wege sie eröffnet.
Wie verändern Digitalisierung und KI die Ausbildung?
Sie werden viele Tätigkeiten verändern, aber den Menschen in unserer Branche nicht ersetzen. Technologie kann Routineaufgaben übernehmen und Mitarbeitende entlasten. Wir müssen deshalb vermitteln, wie digitale Werkzeuge eingesetzt sowie kritisch und verantwortungsvoll genutzt werden. Zugleich gewinnen Empathie, Urteilskraft, Kreativität und echte Gastorientierung an Bedeutung.
Was sollte bis zum 110-Jahr-Jubiläum 2036 erreicht sein?
Die gastgewerbliche Berufsbildung sollte zu den modernsten und durchlässigsten Bildungssystemen der Schweiz gehören. Neben einer starken Berufslehre brauchen wir selbstverständliche Bildungswege für Quereinsteigende und Erwachsene sowie attraktive Entwicklungsperspektiven. Vor allem sollten wieder mehr Menschen sagen: «Diese Branche bietet mir eine Zukunft.»
