HotellerieSuisse hat zu der Hitzefrage im August eine stichprobenartige Umfrage in Bergregionen und in der Stadt gemacht. Steigt das Thermometer im Mittelland über 30 Grad Celsius, merkt Martin Müller das in Pontresina teilweise direkt an den Reservationen. Der Direktor des Hotel Maistra 160 beobachtet, dass Gäste kurzfristig in die Berge ausweichen.

Je länger die Hitze anhält, desto stärker spüren wir die spontane Nachfrage.
Martin Müller, Hotel Maistra 160 Pontresina

«Je länger die Hitze anhält, desto stärker spüren wir die spontane Nachfrage», sagt Müller. Für den Betrieb ist das Fluch und Segen zugleich. Zusätzliche Gäste sorgen für Auslastung, machen die Personalplanung aber anspruchsvoller. Besonders schwierig werde es, wenn gleichzeitig Mitarbeitende krankheitsbedingt ausfallen.

Auch die Gastronomie bekommt die kurzfristige Nachfrage zu spüren. An gut ausgelasteten Tagen laufe der Betrieb praktisch ohne Unterbruch vom Frühstück über den Mittagsservice bis zum Abend.

Auslastung steigt innert Tagen

Ähnliche Veränderungen im Buchungsverhalten beobachtet Carole Hauser, Co-Direktorin des Hotel Belvedere Swiss Quality Hotel und «Waldhuus Bellary» in Grindelwald. Gäste entschieden sich häufiger kurzfristig für Ferien und Kurzaufenthalte.

Wie ausgeprägt solche Schwankungen sein können, schildert Michael Böhler, Präsident der Zürcher Hotellerie und  am Betriebskonzept des Hotel Bergidyll – Riders Haven in Andermatt beteiligt, am Beispiel «Bergidyll». Dort sei die Auslastung innerhalb einer Woche von rund 30 auf 90 Prozent gestiegen.

Ernst «Aschi» Wyrsch, Präsident von HotellerieSuisse Graubünden, sieht darin einen längerfristigen Trend. Bei angekündigten Temperaturen von über 30 Grad im Mittelland beobachtete die Branche zusätzliche kurzfristige Nachfrage aus der Schweiz und dem grenznahen Ausland.

Historische Hotels müssen auf die Hitze reagieren

Ganz anders präsentiert sich die Situation in Basel. Jonas Gass, COO der Krafft Gruppe, berichtet von kurzfristigen Stornierungen während Hitzeperioden. Besonders ältere Gäste verzichteten teilweise auf eine Reise, wenn keine klimatisierten Zimmer verfügbar seien.

Das Hotel Krafft Basel stammt aus dem Jahr 1873. Die historische Bausubstanz erschwert die Kühlung. Die hohen Temperaturen belasten deshalb nicht nur Gäste, sondern auch Mitarbeitende.

Die Krafft Gruppe hat darauf mit einem «Hitzefrei-Protokoll» reagiert. Bei offiziellen Hitzewarnungen werden Arbeitszeiten angepasst, die Terrasse geschlossen und weitere Massnahmen zum Gesundheitsschutz umgesetzt. Gleichzeitig investiert der Betrieb in die Kühlung des Gebäudes.

Ohne kühlende Massnahmen werden Stadthotels im Sommer langfristig kaum konkurrenzfähig bleiben.
Jonas Gass, COO der Krafft Gruppe

«Ohne kühlende Massnahmen werden Stadthotels im Sommer langfristig kaum konkurrenzfähig bleiben», sagt Gass. Wie gross der Einfluss der Gebäudetechnik ist, zeigt sich innerhalb der Krafft Gruppe. Im moderneren Hotel Nomad Design & Lifestyle Hotel seien die Auswirkungen der Hitze deutlich geringer.

Selbst die Speisekarte wird angepasst

Die Hitze verändert auch Abläufe, die die Gäste kaum wahrnehmen. Eine Hotelière aus dem Berner Oberland berichtet von hohen Temperaturen in der Küche. Weil die bestehende Infrastruktur die Wärme nur unzureichend abführen könne, habe der Betrieb die Speisekarte noch stärker auf leichte Sommergerichte ausgerichtet. Diese benötigen weniger Kochzeit und verursachen damit weniger zusätzliche Wärme.

Im Juli entwickelte sich die Nachfrage in der Schweizer Hotellerie insgesamt leicht positiv. Die Zahl der Logiernächte lag 0,6 Prozent über dem Vorjahresmonat. Die Übernachtungen von Gästen aus der Schweiz nahmen um 4,1 Prozent zu, jene aus dem Ausland gingen um 2,3 Prozent zurück. 

Die aktuelle Sommersaison zeigt, dass der Klimawandel die Hotellerie bereits heute beschäftigt. Hitzewellen beeinflussen Reiseentscheidungen, Buchungsverhalten und den Hotelalltag. Während einige Regionen zeitweise von zusätzlicher Nachfrage profitieren, sind Betriebe und Destinationen gefordert, sich den veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen.


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