Herr Greif, 25 Jahre bei ein und demselben Unternehmen – das ist in der heutigen Arbeitswelt eine echte Rarität. Was hat Sie bei der Mirus Software AG gehalten?
Michael Greif: Ehrlich gesagt habe ich mir diese Frage selbst nie so gestellt – und das sagt vielleicht schon alles. Wenn man jeden Morgen weiss, wofür man arbeitet, schaut man nicht auf die Jahre. Ich bin zu Mirus gestossen, weil mich die Aufgabe gereizt hat: Software, die im Alltag von Menschen wirklich etwas erleichtert – ein Werkzeug, das dem Küchenchef oder dem Restaurantleiter den Rücken freihält. Dazu kommt eine Unternehmenskultur, in der man Verantwortung übernehmen kann. 25 Jahre klingen lang – für mich fühlt es sich an wie eine Reise, die noch längst nicht zu Ende ist.

Wie hat Ihr Weg bei Mirus begonnen – und was hat Sie damals in die Welt von Lohn, HR und Arbeitsrecht in der Hotellerie geführt?
 Der Einstieg war kein grosser Plan, sondern ein glücklicher Zufall mit Konsequenzen. Ich habe selbst 15 Jahre in der Branche gearbeitet und wusste: Diese Branche funktioniert nach eigenen Regeln. Schichtbetrieb, Nachtzuschläge, Saisonarbeit, L-GAV – das ist eine Welt, die mit Standardlösungen schlicht nicht abgebildet werden kann. Genau diese Komplexität hat mich gepackt. Bei Mirus hatte ich die Möglichkeit, dieses Wissen direkt in Produktentwicklung und Kundenbetreuung einzubringen.

Was unterscheidet Ihren Blick auf die Branche von jemandem, der HR-Software «von aussen» entwickelt?
Der Unterschied ist fundamental. Wer nie erlebt hat, was es bedeutet, am 28. des Monats eine Lohnabrechnung für 80 Mitarbeitende, Ein- und Austritte, Krankheitsabsenzen, quellenbesteuerte Mitarbeiter und verschiedene Anstellungsbedingungen korrekt abzuschliessen – der kann keine Software bauen, die in diesem Moment wirklich trägt. Ich spreche von der Realität in einer Branche, die 24 Stunden läuft, in der L-GAV-Änderungen unmittelbare operative Konsequenzen haben und ein Fehler in der Quellensteuer-Abrechnung morgen früh auf dem Tisch des Geschäftsführers landet. Diese Nähe zur Praxis prägt, wie wir denken und was wir bauen.

25 Jahre sind in der HR-Welt eine Ewigkeit. Wie hat sich die Arbeit im Personalbereich der Hotellerie und Gastronomie in dieser Zeit verändert?
Grundlegend. Als ich angefangen habe, war HR noch weitgehend Papierverwaltung. Das hat sich komplett verschoben. Heute erwarten Betriebe, dass HR einen aktiven Beitrag zur Unternehmenssteuerung leistet: Echtzeit-Auswertungen, Dienstplanoptimierung, Kostentransparenz pro Abteilung, automatisierte Abrechnungen unter Berücksichtigung von L-GAV und Quellensteuer. Der Personalverantwortliche von heute ist kein Verwalter mehr – er ist ein Entscheider, der Zahlen braucht, auf die er sich verlassen kann.

Der L-GAV gilt als eines der komplexesten Regelwerke im Schweizer Arbeitsrecht. Warum ist er für Betriebe so eine Herausforderung?
Weil er eben kein statisches Dokument ist, sondern ein lebendes Regelwerk. Der L-GAV regelt nicht nur Mindestlöhne – er definiert Arbeitszeitmodelle, Überstundenregelungen, Nachtzuschläge, Ferienanspruch, Austrittsberechnungen, und vieles mehr. In einer Branche, die rund um die Uhr läuft, mit hoher Fluktuation und saisonalen Schwankungen, bedeutet jede Revision: sofort systemseitig umsetzen, sonst rechnet man schlicht falsch. Genau das ist ein Kernbereich von Mirus: Wir übersetzen dieses Regelwerk in Logik, die funktioniert – automatisch, revisionssicher und branchenkonform. [IMG 2]

Die Hotellerie und Gastronomie steht seit Jahren unter enormem Druck – Fachkräftemangel, Kostensteigerungen, regulatorische Anforderungen. Was beobachten Sie, wenn Sie in die Betriebe schauen?
Was ich sehe, ist eine Branche im Wandel. Der Fachkräftemangel zwingt die Betriebe dazu, umzudenken. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Mitarbeitenden: Transparenz, flexible Modelle, klare Strukturen – ein echter Wettbewerbsfaktor bei der Mitarbeitergewinnung. Und die Margen sind dünn. Da kann sich kein Betrieb leisten, beim Ressourceneinsatz ungenau zu sein. Ich beobachte eine wachsende Bereitschaft, in professionelle Lösungen zu investieren – aus schlichter Notwendigkeit.

Daten und KI – zwei Begriffe, die überall auftauchen. Was bedeuten sie konkret für Betriebe in der Hotellerie und Gastronomie?
In unserer Branche sind das keine Buzzwords – das ist Betriebsrealität. Die Frage ist nur, ob man Daten aktiv nutzt oder weiterhin auf Bauchgefühl setzt. Wer heute einen Freitagabend besetzt, ohne Umsatzprognose und historische Vergleichswerte zu kennen, riskiert zu viel Personal – oder zu wenig. Beides kostet. Genau hier setzt Mirus Prognolite an: KI-gestützte Umsatz-, Gäste- und Personalprognosen – für den nächsten Dienst. Intern treibt uns das an: Mirus modernisiert gerade die gesamte Plattform – funktional, technisch und optisch.

Prognosen und KI klingen überzeugend. Aber wie kommen diese Daten eigentlich im Betrieb an – zum Beispiel in der Dienstplanung? Wer heute die Planung digital abbildet, hat das Problem doch eigentlich gelöst – oder nicht?
Nicht wirklich. Dienstplanung als Funktion – da gibt es gute Lösungen auf dem Markt. Aber Dienstplanung im Vakuum bringt nur die halbe Miete. Was nützt ein perfekter Dienstplan, wenn er nicht weiss, was die Umsatzprognose sagt und welche Kosten dieser Dienstplan darstellt? Wenn die Lohnabrechnung die Daten nicht übernehmen kann? Wenn der Mitarbeitende seine Schicht nicht in der App sieht? Die eigentliche Herausforderung liegt in der Verzahnung – zwischen Planung, Prognose, Lohn und Kommunikation. Genau das ist der Ansatz, den wir bei Mirus konsequent verfolgen – nicht als Einzelmodule, sondern als Plattform.

«Wenn man jeden Morgen weiss, wofür man arbeitet, schaut man nicht auf die Jahre.»

Das Anforderungsprofil an HR-Verantwortliche verändert sich grundlegend. Spielt dabei auch Kommunikation eine neue Rolle?
Die HR-Rolle ist deutlich breiter geworden. Wer heute im HR eines Hotelbetriebs arbeitet, ist Schnittstelle: zwischen Betriebsleitung und Team, zwischen gesetzlichen Anforderungen und gelebter Praxis, zwischen Datenlage und operativer Entscheidung. Gleichzeitig wird Kommunikation zum entscheidenden Faktor. In Betrieben mit Schichtbetrieb und hoher Fluktuation fällt sie oft als erstes auseinander – weil es kein verlässliches Gefäss gibt. Mit Mirus NEO haben wir genau das adressiert: Dienstpläne, Dokumente, interne Updates – alles an einem Ort, ohne Medienbruch.

Sie erleben das alles nicht nur strategisch – als Leiter der Kundenbetreuung sind Sie nah dran an den Betrieben, die täglich mit diesen Herausforderungen umgehen. Was hören Sie dort?
Vieles davon spüre ich täglich im direkten Kundenkontakt. Die Betriebe haben oft nicht ein einzelnes Problem – sie haben mehrere, die zusammenhängen. Ein Küchenchef beschwert sich über die Dienstplanung – das eigentliche Problem ist ein fehlender Forecast. Eine HR-Verantwortliche kämpft mit der Lohnabrechnung – die Ursache sind drei Systeme, die manuell zusammengeführt werden. Kern guter Kundenbetreuung: nicht das genannte Problem lösen, sondern das richtige. Nach 25 Jahren weiss ich: Vertrauen entsteht, wenn der Kunde merkt, dass sein Partner mitdenkt.

Mirus gibt es seit Jahrzehnten in der Schweizer Hotellerie und Gastronomie. Wie hat sich das Unternehmen in dieser Zeit verändert – und wohin geht die Reise?
Wir sind gewachsen – in der Tiefe und in der Breite. Als ich anfing, war Mirus im Kern eine Lohnlösung. Heute ist es eine Plattform, die Lohn, Zeitwirtschaft, Dienstplanung, KI-gestützte Prognosen und Mitarbeiterkommunikation verbindet. Und wir sind mitten in einem ambitionierten Entwicklungsschritt: Mirus NEO Redesign, HR-Dashboard, digitales Preboarding, langfristig sogar ein Voice-Assistent. Die aktuelle Roadmap findet sich auf next.mirus.ch. Wir entwickeln nicht am Markt vorbei, sondern aus drei Jahrzehnten gewachsener Branchenkompetenz heraus. Das ist ein Unterschied, den man spürt.

Herr Greif, 25 Jahre Mirus – was bedeutet Ihnen dieses Jubiläum persönlich?
Es ist kein Anlass zum Zurückschauen – eher ein Moment zum Durchatmen und Weitermachen. Ich habe in diesen 25 Jahren gesehen, wie aus einer Branche, die digitalen Lösungen lange skeptisch gegenüberstand, eine geworden ist, die heute gezielt nach Innovation fragt. Und ich habe miterlebt, wie Mirus diesen Wandel nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet hat. Wenn ich heute sehe, wie selbstverständlich unsere Lösungen in den Betriebsalltag integriert sind – das ist die eigentliche Bestätigung. Nicht die Jahre. Sondern dass die Arbeit zählt. Dieses Jubiläum ist für mich auch ein Moment des aufrichtigen Dankes: an unsere Geschäftsleitung für das langjährige Vertrauen, an mein Team und alle Mirus-Mitarbeitenden für die unermüdliche Unterstützung – bei uns werden Werte gelebt, nicht nur formuliert. Und an unsere Kunden, mit vielen von denen weit mehr als eine reine Geschäftsbeziehung entstanden ist.
 

Über die Mirus Software AG
Die Mirus Software AG ist HR-Dienstleister und Anbieter von webbasierten Software-Lösungen für den Hospitality-Sektor mit Sitz in Davos, Thalwil, Puidoux und Žilina. Als Know-how-Partner mit über 30 Jahren Branchenerfahrung konzentriert Mirus seinen Service auf die konkreten Bedürfnisse und Anforderungen von Tourismus-, Hotellerie- und Gastronomiebetrieben. Mit seinen praxistauglichen und serviceorientierten Lösungen wie der Lohnbuchhaltung und den voll integrierten Lösungen für die Personaleinsatzplanung, Zeiterfassung, Finanzbuchhaltung und vieles mehr löst Mirus die administrativen Herausforderungen von mehr als 4500 Kunden in der Schweiz.

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