Chantal Cartier, warum ist Datenschutz heute eine Form der Gastfreundschaft?
Daten sind heute ein wertvolles Gut, mit dem weltweit oft missbräuchlich gehandelt wird. Datenschutz zu respektieren, ist deshalb ein notwendiger Ausdruck von Wertschätzung gegenüber der Privatsphäre jedes Gastes. Da wir im digitalen Zeitalter weniger physische Kontakte haben, müssen wir mit den digitalen Spuren umso vorsichtiger umgehen. Wir tragen die moralische Verantwortung gegenüber allen Anspruchsgruppen, die uns ihre Informationen anvertrauen. [RELATED]
Wer haftet moralisch für Fehler bei Drittanbietern?
Sich auf externe Partner zu berufen, ist eine zu einfache Ausrede, um sich aus der Verantwortung zu ziehen. Der Gast interagiert mit dem Hotelier und schenkt ihm sein Vertrauen, nicht einem anonymen Buchungssystem im Hintergrund.
Ein Datenleck ist nach meiner Einschätzung das grösste Risiko für die Reputation eines Hauses.
Also ist der Gastgeber in der Pflicht?
Ja. Er muss persönlich sicherstellen, dass alle verfügbaren Schutzmassnahmen wie die 2-Faktor-Authentifizierung konsequent genutzt werden. Ein Datenleck ist nach meiner Einschätzung das grösste Risiko für die Reputation eines Hauses.
Warum ist Cybersicherheit eine Aufgabe der Geschäftsleitung?
Oft sind es nicht die jungen Praktikanten, die in Sicherheitsfallen tappen. Erfahrungen zeigen, dass häufig die oberste Führungsebene aus einer gewissen Vertrautheit heraus zu schnell auf gefährliche E-Mail-Links klickt. Ich empfehle dringend, dem gesamten Team durch simulierte Phishing-Tests regelmässig den Spiegel vorzuhalten. Datenschutz muss als Teil der Unternehmenskultur von ganz oben vorgelebt werden.
Wann wird die Personalisierung der Kommunikation zur unerwünschten Überwachung?
Die Angst vor Überpersonalisierung ist heute oft noch theoretisch. Viele Hotels verfügen nicht über die Ressourcen, ihre Kommunikation stark zu personalisieren. Am Ende geht es darum, die Daten der Gäste verantwortungsvoll zu behandeln. Die Datenhoheit muss beim Gast bleiben. Er soll jederzeit selbst entscheiden können, welche Daten er für welche Zwecke freigibt. Wer sich bewusst wird, dass mit Personendaten gehandelt wird, erkennt ihren Wert. Entsprechend sorgfältig müssen Hotels damit umgehen.
Wie sieht eine verantwortungsvolle Datenkultur konkret aus?
Kommunizieren Sie transparent, wie Sie Daten verarbeiten, setzen Sie die verfügbaren Sicherheitsmassnahmen konsequent um und informieren Sie Gäste offen, falls dennoch ein Fehler passiert.
