Echtes Logo, echte Buchung – falsche E-Mail
«Herzlichen Dank für die Buchung Ihres Aufenthalts vom 12. bis 14. Juni 2024. Leider ist bei der Bezahlung ein Problem aufgetreten. Wir bitten Sie daher, Ihre Zahlung über folgenden Link zu kontrollieren und zu bestätigen, und entschuldigen uns für die Umstände. Freundliche Grüssen …»

So etwas kann passieren, denkt so mancher Gast. Vielleicht auch die Gäste eines Zentralschweizer Hotels, die im Sommer 2024 eine solche oder ähnliche E-Mail erhalten haben. Da Logo und die Kontaktdaten korrekt waren und sogar die Buchungsnummer stimmte, durften die Gäste durchaus annehmen, dass die E-Mail von besagtem Hotel stammte.

Allerdings kamen die freundlichen Grüsse nicht vom Hotel, sondern von Betrügern, die die Buchungsdetails von einem externen Softwareanbieter erhalten haben sollen. Der angezeigte Link führte denn auch nicht auf die offizielle Seite des Hotels, sondern auf eine täuschend echte Fake-Seite. Auf dieser sollte der nicht abgebuchte Betrag durch Eingabe der Kreditkartendaten bestätigt werden. Bestätigt ist, dass es Betrügern mit dieser Masche immer wieder gelingt, Menschen zu täuschen. Dank Künstlicher Intelligenz (KI) sogar immer besser.

Cybersecurity-Kurs für Hotels

Datum: Mittwoch, 08. April 2026
Zeit: 09:30 - 16:30 Uhr
Ort: Schulungsraum Hotel & Gastro Union, Luzern 

Der Kurs ist auf 18 Personen limitiert. 

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Der Trick mit der Zahlung
Der Betrug mit Buchungsanfragen und -bestätigungen ist deshalb so erfolgreich, weil er glaubwürdig und logisch daherkommt. Eine Frage zur Zahlung, eine fehlgeschlagene Kreditkartenbuchung oder eine kurze Rückfrage zur Reservation wirken im Alltag normal. Wenn solche Fragen dann noch mit echten Buchungsdetails versehen sind, ist der Schritt zu einer unbedachten Handlung kurz – also dem Anklicken eines Links oder der Eingabe von Kreditkartendetails .

In der Hitze des Gefechts
Cyberkriminelle haben es jedoch nicht nur auf Gäste abgesehen. Da Service, Zuvorkommenheit, Hilfsbereitschaft und das Credo «Der Gast ist König» zur DNA der Hospitality-Branche gehören, ist diese für Betrüger ein lohnendes Ziel. Dieser Servicegedanke wird bewusst ausgenutzt: Die Stimme des Anrufers klingt vertraut, die Bitte wirkt dringlich und die Ausnahme soll «nur dieses eine Mal» gelten. 

Stress kommt Betrügern entgegen
Kommt noch Stress dazu – etwa weil an der Réception ungeduldige Gäste warten –, dürften die Erfolgschancen der Betrüger massiv steigen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Cyberkriminelle auf einen kongenialen Partner verlassen können: die Künstliche Intelligenz.

Sie ermöglicht es, Stimmen und sogar Gesichter (Achtung bei Teams- oder Zoom-Meetings) täuschend echt zu fälschen (sogenannte Deepfakes). Diese sind heute kaum mehr von echten Personen zu unterscheiden.

Was Hotels tun können
Was heisst das für Hotels und Gastronomiebetriebe? Wie sollen sie ihre Mitarbeitenden sensibilisieren und schulen, wenn diese weder ihren Augen noch ihren Ohren trauen können?

Sicherheit beginnt im Alltag
Schutz entsteht weniger durch das Erkennen perfekter Fälschungen, sondern durch Abläufe, die auch dann greifen, wenn eine Anfrage überzeugend wirkt. Wenn Zahlungen ausgelöst, Bankverbindungen geändert, Accounts zurückgesetzt oder sensible Gästedaten freigegeben werden sollen, braucht es eine unabhängige Bestätigung über einen zweiten Kanal. Diese Regel schützt nicht nur vor KI-Manipulation, sondern auch vor klassischen Betrugsversuchen – sie nimmt Zeitdruck aus der Entscheidung. 

Keine bösen Überraschungen
Kurze Awareness-Formate, die echte Situationen aus dem Betrieb aufnehmen, sorgen dafür, dass solche Abläufe im Alltag funktionieren: Wie sehen typische Buchungsnachrichten aus? Woran erkennt man den Moment, in dem ein Link oder ein Anruf eine unbedachte Handlung manipuliert? Welche Standardsätze helfen, freundlich zu bleiben und trotzdem nicht auf Wünsche und Befehle einzugehen?

Besonders wirksam sind interne Übungen, in denen Mitarbeitende solche Situationen durchspielen. Danach werden gemeinsam Verfahren definiert, um Anfragen zu verifizieren – ohne dabei Gästen oder Partnern Misstrauen entgegenzubringen.

Sicherheitslücken erkennen
Parallel dazu braucht es technische Überprüfungen, die nicht kompliziert sein müssen, aber die wichtigsten Einfallstore abdecken. Dazu gehört an erster Stelle ein Audit der E-Mail- und Login-Sicherheit. Mehrfaktor-Authentisierung (MFA) und saubere Rechtevergabe für Plattformzugänge und Fernwartung sind Pflicht. Ebenso wie ein kurzer Check der Systeme und ob ein Fehler an einer Stelle gleich den ganzen Betrieb treffen könnte.

Entscheidend ist auch ein Test, der sicherstellt, dass Datensicherungen tatsächlich zurückgespielt werden können – denn im Ernstfall zählt nicht die Existenz eines Backups, sondern dessen Wiederherstellbarkeit. 

Externe Unterstützung rechtzeitig einholen
Externe Spezialisten sollen frühzeitig beigezogen werden: etwa bei der Einführung oder Ablösung von Systemen für Reservation, Check-in und Kasse, bei der Zusammenarbeit mit externen IT- und Softwareanbietern, nach auffälligen Phishing-Wellen oder wenn unklar ist, ob bestehende Schutzmassnahmen im Alltag wirklich greifen. 

Cybersecurity-Kurs für Hotels
Genau hier setzt der Cybersecurity-Kurs für die Hotellerie an. Er wird vom Berufsverband Hotel, Administration & Management der Hotel & Gastro Union in Zusammenarbeit mit der SHS Academy organisiert. In diesem spezialisierten Kurs zur Informationssicherheit lernen die Teilnehmenden, digitale Risiken frühzeitig zu erkennen, aktuelle Datenschutzgesetze korrekt umzusetzen und ihre Arbeitsumgebung nachhaltig sicherer zu gestalten.

Der praxisorientierte Workshop ist auf die Anforderungen der Hotellerie zugeschnitten und behandelt zentrale Themen der digitalen Sicherheit im Arbeitsalltag. Ziel des Kurses ist es, den Teilnehmenden ein fundiertes und praxisnahes Verständnis für digitale Sicherheit in der Hotellerie zu vermitteln. 

Dieser Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit SHS Academy, Berufsverband Hotel, Administration & Management und Swiss Infosec entstanden.

Partner für Informations- und Cybersicherheit
Die Swiss Infosec AG mit Sitz in Sursee (LU) gehört in der Schweiz zu den führenden, unabhängigen Beratungs- und Ausbildungsunternehmen in den Bereichen Informationssicherheit, Datenschutz und Cyber-/IT-Sicherheit. Sie be-schäftigt zusammen mit den Schwesterunternehmen Swiss GRC AG und Team Visual AG über 130 Mitarbeitende.

Tizian Eggenberger, Consultant bei Swiss Infosec AG