Qualität zeigt sich im Hotel Regina nicht in Einzelmassnahmen, sondern im Zusammenspiel vieler Entscheidungen. Für Gastgeberin Yasmina Abdelilah macht sich dieser Ansatz auch am Markt bemerkbar: «Das zahlt sich in jedem Fall aus, denn immer mehr Gäste wählen unser Haus, weil es ihren Wertvorstellungen entspricht.»

Der Swiss-Lodge-Betrieb versteht sich als Kulturhotel, fördert Kulturschaffende und bindet lokale wie regionale Angebote gezielt ein. Dazu zählen ein eigener Gemüsegarten sowie die Zusammenarbeit mit der Bäckerei im Tal und mit regionalen Produzenten. Qualität entsteht hier nicht durch einzelne Akzente, sondern durch ein stimmiges Gesamtangebot. 

Qualität und Wirtschaftlichkeit im Alltag
Die Geschichte des Hauses – es feierte 1896 Eröffnung – ist ein fester Bezugspunkt. Als «Historisches Hotel» sieht sich das Regina in einer besonderen Verantwortung. «Es gehört mit zur Verpflichtung gegenüber den Gästen, die Baugeschichte auch bezüglich der Bausubstanz zu pflegen und sichtbar zu machen», sagt Abdelilah. Entscheidend sei dabei die Wirkung: «Das Original ist denn auch im Raum zu spüren.»[IMG 2]

Schweizer Qualität trennt Abdelilah nicht in Pflicht und Stolz. «Es ist immer beides!» Diese Sicht prägt auch Investitionsentscheide. Neue Betten wurden deshalb nicht als Standardprodukt beschafft, sondern gezielt in der Schweiz nachgebaut. «Bei der Anschaffung neuer Betten haben wir bewusst ein Produkt aus dem Emmental mit Schweizer Eiche nachbauen lassen, obwohl dies preislich klar teurer war.» Solche Entscheide zahlten sich nicht sofort aus. «Kurzfristig und für sich allein rechnet sich ein solches Verhalten nicht.» Entscheidend sei die langfristige Wirkung: «Es ist das Gesamtprodukt, das längerfristig überzeugt und sich auch am Markt behaupten kann.» Dafür brauche es «oft etwas Mut und unternehmerisches Risiko».

Spannungsfelder zwischen Tradition, Anspruch und Wirtschaftlichkeit gehörten zum Alltag. «Diese Aspekte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden», betont die Gastgeberin. Gleichzeitig beobachtet sie eine klare Entwicklung bei den Gästen: «Einfachheit zählt bei vielen Gästen zum Glück wieder mehr als teurer Pseudo-Luxus.»

Immer mehr Gäste wählen unser Haus, weil es ihren Wertvorstellungen entspricht.
Yasmina Abdelilah, Gastgeberin Hotel Regina, Mürren
 

Wertorientierte Gäste
Die Verbindung von Tradition und Qualität ist für bestimmte Gästesegmente entscheidend. «Es sind nicht ‹die Reichen›, sondern vielmehr wertorientierte Gäste, welche sich in einfacheren, aber sorgfältig restaurierten Häusern wohlfühlen», so Abdelilah. Es sind auch Familien sowie Menschen aus dem Kreativ- und Kulturbereich. Besonders deutlich zeigt sich Qualität dort, wo der Aufenthalt ohne Programme und Ablenkung auskommt. «Es sind vor allem die öffentlichen Räume, wo man oft auch in kleinen Gruppen sitzt, andere Leute trifft, Bücher liest oder spielt.» Fernseher gibt es keine. «Das Haus muss als ‹Gesamtkunst› spürbar sein.» Vielfältige Kulturveranstaltungen wie auch das Kulturförderungskonzept mit einer(m) regelmässigen «Artist in Residence» setzen den besonderen Anspruch um. Zu einem weiteren Highlight haben sich die regelmässig durchgeführten «Bauwochenenden» entwickelt, bei denen Freiwillige aktiv am baulichen Unterhalt mitwirken.

Preis und Fairness
Darf Schweizer Qualität mehr kosten? Abdelilah findet grundsätzlich ja – aber mit klaren Grenzen. «Ein einfaches und auch familienorientiertes Haus kann höhere Kosten nicht beliebig an die Gäste weitergeben.» Entscheidend sei, «dass die Gäste die Preise als ‹fair› wahrnehmen». Das Hotel Regina zeigt, dass Schweizer Qualität weniger über einzelne Investitionen entsteht als über ein Gesamtbild, das im Alltag funktioniert.

Resort Hof Weissbad: Regional verankert

Haltung, Herkunft, Handwerk: Im Resort Hof Weissbad beginnt Qualität beim Netzwerk vor der eigenen Haustür – und führt direkt in die eigene Geschichte. Das Gastgeberpaar Susanne und Elias Leu setzt, wo immer möglich, auf Produzenten aus dem Appenzellerland und aus der Schweiz. Langjährige Partnerschaften, kurze Wege und gewachsene Beziehungen prägen den Alltag. Wer sich seit Jahren kennt, versteht auch die Ansprüche des anderen. So entsteht ein regionaler Kreislauf, in dem Wertschöpfung vor Ort bleibt und Qualität gemeinsam weiterentwickelt wird. Für Leus bedeutet das Verlässlichkeit und Beständigkeit, aber auch «ein Hauch Neues» – eine Mischung, die viele Gäste schätzen und die sie immer wieder zurückbringt. Im Appenzellerland bildet diese Haltung den kulturellen Rahmen. Im Hof Weissbad wird Tradition nicht inszeniert, sondern gelebt. Seit der Eröffnung 1994 ist das Resort fest in der Region verankert. Elias Leu sagt: «Weil das Appenzellerland seine Werte bis heute lebt, leben wir sie im Hof Weissbad mit – bodenständig, echt und mit dem Anspruch, das Bewährte in die heutige Zeit zu bringen.» Schweizer Produkte und Partner bewusst zu berücksichtigen und damit den Marktplatz Schweiz zu stärken, verstehen Susanne und Elias Leu als Teil ihrer unternehmerischen Verantwortung.
 

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Pflicht und Haltung zugleich
«Pflicht ist Schweizer Qualität überall dort, wo der Gast sie ganz selbstverständlich erwartet: Sauberkeit, Sicherheit, gutes Essen und dass der Betrieb reibungslos funktioniert», sagt Elias Leu. Vieles davon werde von Gästen vorausgesetzt – und sofort bemerkt, wenn es fehle. Gerade langjährige Stammgäste schätzten diese Verlässlichkeit und die Verbindung von Tradition und Qualität, die das Haus im Kern bewahrt habe. Gastgeberstolz wiederum erfülle ihn, wenn er und sein Team bewusst noch einen Schritt weitergingen: «Wenn wir uns Zeit nehmen für unsere Gäste und auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen, wenn die Details stimmen und wenn wir regionale Produkte nicht nur erwähnen, sondern Regionalität wirklich leben.» Ziel sei es, Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern immer wieder zu übertreffen – im Grossen wie im Kleinen.

Pflicht ist Schweizer Qualität überall dort, wo der Gast sie erwartet.
Elias Leu, Gastgeber und Direktor Resort Hof Weissbad

Preis und Glaubwürdigkeit
Viele Investitionen rechnen sich messbar: Hochwertige Möbel hätten weniger Verschleiss, verursachten geringeren Unterhalt und hielten länger. Im Zentrum stehe jedoch der Mensch. Investiert werde konsequent in Team, Ausbildung und Entwicklung – etwa mit internem Jobcoach, Mitarbeiterboard und bereichsübergreifenden Projekten für Lernende. Die Fluktuation sei tief, jährlich könnten rund acht Ausbildungsplätze besetzt werden, aktuell stünden über zwanzig Lernende in Ausbildung, sagt Leu. Viele blieben lange oder kehrten nach Wanderjahren zurück in den «Hof». «Generell gilt für mich: Eine gute Infrastruktur, moderne Technik im Hintergrund, Weiterbildung sowie herzliches, dienstleistungsorientiertes und authentisches Fachpersonal sorgen für Qualität und einen reibungslosen Ablauf», so Leu. Gleichzeitig gehörten Spannungsfelder zwischen Tradition, Qualitätsanspruch und Wirtschaftlichkeit zum Alltag. Gute Qualität brauche Zeit und Menschen, während der Druck zur Effizienz steige. Entscheidend sei, täglich neu abzuwägen, «ohne dass Freude, Atmosphäre und Authentizität verloren gehen». [IMG 4]

Schweizer Qualität dürfe mehr kosten, sagen die Gastgeber. Aber nur, wenn der Gast erkenne, wofür er bezahle. Massgebend sei die Stimmigkeit des Gesamterlebnisses, vom ersten Eindruck bis zum letzten Detail. Die Zahlungsbereitschaft ende dort, wo Preis und Leistung nicht mehr nachvollziehbar seien. Qualität trägt langfristig nur dann, wenn sie im Alltag glaubwürdig gelebt wird – als Haltung, nicht als Versprechen.