Alexandra Steinmüller, Sie kommen aus der Luxushotellerie und leiten nun ein Hotel im ehemaligen Kloster Kappel. Was hat Sie zu diesem ungewöhnlichen Schritt bewogen?

Die Motivation war denkbar einfach: Ich wohne im wunderschönen Kappel am Albis, und meine Kinder wurden hier getauft. Eigentlich war ich gar nicht aktiv auf Stellensuche, sondern plante ein berufsbegleitendes MBA-Studium. Doch als ich die Anzeige auf Linkedin sah, wusste ich: Das ist eine einmalige Chance. Jetzt verschiebe ich das Studium um ein paar Jahre.

Welche Gäste besuchen Sie? 

Wir sind vielfältig aufgestellt. Ein kleiner Teil besteht aus Individualgästen. Als offizielles Seminarhotel besuchen uns hauptsächlich Firmen aus Zürich und Zug. Andererseits führen wir eines der letzten klassischen Bildungshäuser der Schweiz, dessen Angebot von unserem theologischen Leiter Andreas Nufer entwickelt wird. Es reicht von kirchlichen Bildungskursen über Yoga-Retreats bis zu Strickkursen. Wir verwalten zudem 18 Mietwohnungen.

Wir wollen durch echte Gastfreundschaft überzeugen, sodass die Gäste immer wieder zurückkehren. 

Viele Bildungshäuser kämpfen ums Überleben. Das Lassalle-Haus in der Nähe musste kürzlich schliessen. Wie behaupten Sie sich im Markt?

Unser Produkt ist einmalig. Wir sind ländlich gelegen, bieten einen Blick auf Rigi und Pilatus, sind aber dennoch schnell erreichbar. Der Verein Kloster Kappel als Eigentümer wie auch die Reformierte Kirche Kanton Zürich als Pächterin sind offen gegenüber neuen Veranstaltungsformaten. Wir prüfen zudem, auf dem Areal künftig freie Trauungen anzubieten. Das Kloster Kappel gilt als Geheimtipp. Was bedeutet das für die Logiernächte?Es gibt noch Potenzial. Wir wollen mehr sein als ein Reiseziel auf der Bucketlist.

 Wie wollen Sie das erreichen?

Wir wollen durch echte Gastfreundschaft überzeugen, sodass die Gäste immer wieder zurückkehren. Wir prüfen derzeit, ob wir einen Teil der Mietwohnungen in Serviced Apartments umfunktionieren.

Auch in der Gastronomie planen Sie Neuerungen. Wie sieht Ihr Konzept aus?

Bisher setzten wir konsequent auf «No Food Waste». Das bedeutete, dass sich die Gäste für das Abendessen bereits am Morgen anmelden mussten. Das ist für die Planung zwar nachhaltig, widerspricht aber dem gesellschaftlichen Zeitgeist des kurzfristigen Entscheidungsverhaltens. Deshalb überlegen wir, diese Praxis etwas gastfreundlicher zu gestalten. Gesamthaft wollen wir Umsatz und Gewinn weiter steigern.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich begrüsse im Kloster Kappel glückliche Gäste und führe ein Team, das eine besondere Gastfreundschaft lebt. 


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