Die Gastronomie fesselt mich seit Langem. Für mich ist das kein Job, sondern eine Berufung. Ich liebe es, Gästen besondere Momente zu schaffen, sei es durch Kulinarik, echte Gastfreundschaft oder Begegnungen, die bleiben.

Steckbrief
Daniela Allia, 38, Thun
Ausbildung: Hotelfachschule Thun
Erwartetes Abschlussjahr: 2026
Inspiration: Serie «The Bear: King of Kitchen»

Doch manchmal frage ich mich, wie lange ich das noch machen kann. Denn der Druck ist seit Jahren gross: lange, oft unregelmässige Arbeitszeiten, spontane Einsätze und kaum Raum für Erholung. Wer so lebt, brennt irgendwann aus. Das ist oft auf strukturelle Probleme zurückzuführen. Die Hauptgründe sind kurzfristige Dienstpläne, fehlende Wertschätzung und zu wenig Personal.

Diese Umstände nehmen dem Beruf seine Zukunft. Und wer Familie hat, soll nicht das Gefühl haben, zwischen Beruf und Privatleben wählen zu müssen. Dabei würden viele meiner Kollegen gerne bleiben, denn die Motivation ist da, ebenso der Wille, sich einzubringen. Ich beobachte aber, dass unsere Vorgesetzten keine Verantwortung abgeben können. Mehr Vertrauen, mehr Mitsprache. Ich wünsche mir bei den Arbeitgeberinnen und -gebern einen echten Kulturwandel.

Wer Menschen beschäftigt, sollte ihnen auch zutrauen, mitzugestalten. Das setzt Vertrauen und Strukturen voraus, die Mitsprache nicht nur dulden, sondern fördern. Dazu gehören verlässliche Arbeitsmodelle, eine offene Gesprächskultur und faire Löhne. Etwas entscheidendes darf auch kein kein Privileg einzelner bleiben, sondern muss aktiv gefördert werden, unabhängig vom Alter oder der Position: Die Weiterbildung und Entwicklungsmöglichkeiten.

Sinnvoll eingesetzte Digitalisierungsprozesse können entlasten. Wenn Prozesse klar und nachvollziehbar sind, profitieren alle davon. Ich bin überzeugt: Wenn wir bereit sind umzudenken, kann diese Branche wieder das werden, was sie im besten Fall ist: ein Ort der Begegnung und Begeisterung.