Jennifer Bosshard, wenn Sie selbst einen Swiss Hospitality Award verleihen könnten: Was wären die wichtigsten Kriterien?
Für mich sind drei Dinge besonders wichtig: ein angenehmes Ambiente, aufmerksamer Service und eine solide Küche. Wenn diese Faktoren stimmen, kann ich mich entspannen, den Aufenthalt geniessen und über kleinere Unstimmigkeiten auch einmal hinwegsehen. [RELATED]

HotellerieSuisse zeichnet mit den Awards bewusst auch weniger bekannte Betriebe aus. Warum braucht es Ihrer Meinung nach gerade heute mehr Aufmerksamkeit für diese «stillen Perlen»?
Ich finde es enorm wichtig, dass nicht nur grosse Luxushotels im Fokus stehen. Oft nehmen sie den kleineren Häusern etwas die Sichtbarkeit – und das ist schade. Denn gerade dort wird häufig mit unglaublich viel Herzblut und Engagement gearbeitet. Diese Betriebe verdienen genauso Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Deshalb finde ich es grossartig, dass HotellerieSuisse genau dort ansetzt. Ich hatte zudem bereits die Möglichkeit, in sehr exklusiven Schweizer Hotels zu übernachten – und war teilweise enttäuscht, weil scheinbar einfache Dinge wie ehrliche Gastfreundschaft oder guter Service gefehlt haben. Wenn Preis und Leistung nicht zusammenpassen, ist das als Gast frustrierend.

Was ist Ihr kleines «Guilty Pleasure», das Sie in einem Hotelzimmer sofort glücklich macht?
Ein Balkon und gute Kissen – das ist für mich schon die halbe Miete.

Über Jennifer Bosshard
Jennifer Bosshard ist TV- und Eventmoderatorin sowie freie Journalistin. Bekannt wurde die gebürtige Baslerin durch ihre langjährige Tätigkeit beim SRF-Magazin «Gesichter & Geschichten». Seit dem Ende der Sendung arbeitet sie als Moderatorin für Events und Galas sowie für verschiedene Medienprojekte. Gemeinsam mit Michel Birri hat sie den Podcast «B&B fortgsetzt». Zudem lancierte sie mit Olivia El Sayed einen Podcast über Mutterschaft und Balance. Bosshard ist mit Fussballprofi Pascal Schürpf verheiratet und wurde im Herbst Mutter einer Tochter.

Ihre Tochter Ruby Sienna wird bald ein Jahr alt. Wie haben sich Ihre Ansprüche an Hotels als junge Familie verändert?
Mir ist wichtig, dass man spürt, dass ein Hotel auf Familien mit Babys vorbereitet ist und man sich willkommen fühlt. Ich achte deshalb bewusst darauf, ob auf der Website beispielsweise Babybetten erwähnt werden. Und auf Social Media schaue ich gerne, ob auch die kleinen Gäste sichtbar sind.

Sind Sie eher ein unkomplizierter Gast oder achten Sie auf jedes Detail?
Ich würde mich grundsätzlich als unkompliziert bezeichnen. Sehr genau bin ich allerdings beim Thema Service und Gastfreundschaft – dort merke ich schnell, ob etwas authentisch ist.

Die Hotellerie muss sich wegen geopolitischer Entwicklungen und veränderter Gästebedürfnisse immer wieder neu erfinden. Auch Sie mussten sich nach dem Ende von «G&G» wieder neu orientieren. Wie haben Sie diese Herausforderung in eine Chance verwandelt?
Humor hilft definitiv. Und wenn man weiss, dass Veränderungen nicht aufgrund mangelnder Leistung oder fehlenden Engagements entstanden sind, kann man solche Situationen besser annehmen und optimistisch nach vorn schauen. Für mich persönlich bringt die Selbstständigkeit heute viele Vorteile mit sich: Ich kann meine Arbeitszeiten flexibler gestalten und viel Zeit mit meiner Tochter verbringen. Das ist ein grosser Gewinn.

Als Moderatorin ist man im Grunde ebenfalls Gastgeberin

Der Fachkräftemangel bleibt eine Herausforderung für die Branche. Was braucht es, damit Berufe in Küche, Réception oder Housekeeping für junge Menschen attraktiver werden?
Ich glaube, wie in jedem Beruf ist Wertschätzung entscheidend. Das zeigt sich einerseits in fairen und attraktiven Löhnen, andererseits aber auch in Anerkennung und Sichtbarkeit. Formate wie der Hospitality Award können dazu beitragen, diese Berufe stärker ins Rampenlicht zu rücken und ihre Bedeutung aufzuzeigen.

Welche Parallelen sehen Sie zwischen Ihrer Arbeit als Moderatorin und der Rolle als Gastgeber und Gastgeberin?
Als Moderatorin ist man im Grunde ebenfalls Gastgeberin. Meine Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner sollen sich auf der Bühne oder in einem Panel wohl und sicher fühlen. Ich möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie von mir begleitet werden und sich ganz auf ihre Geschichte oder ihre Expertise konzentrieren können. Meine Aufgabe ist es, den passenden Rahmen zu schaffen, damit genau das möglich wird.

Was unterscheidet guten Service von echter Herzlichkeit?
Guter Service kann professionell und korrekt sein – echte Herzlichkeit hingegen spürt man. Sie zeigt sich in kleinen Gesten, ehrlichem Interesse und darin, dass sich Menschen wirklich willkommen fühlen.

Wie steht es um die Schweizer Gastfreundschaft im internationalen Vergleich?
Ich schätze die Schweizer Gastfreundschaft sehr. Wir sind aufmerksam und diskret, ohne aufdringlich zu wirken. Unsere grösste Konkurrenz sehe ich ehrlich gesagt bei unseren Nachbarinnen und Nachbarn in Österreich – dort wird Gastfreundschaft ebenfalls mit viel Leidenschaft gelebt.

Von welchem Hotelerlebnis erzählen Sie heute noch?
Wir hatten erst kürzlich einen wunderbaren Aufenthalt im Einstein St. Gallen. Dort hat vom ersten Moment an alles gestimmt: freundliches und zuvorkommendes Personal, hervorragende Küche und eine Atmosphäre, in der wir uns als kleine Familie sofort wohlgefühlt haben. Sehr gerne wieder!

Swiss Hospitality Awards 2026

Seien Sie dabei, wenn am 3. Juni 2026 in Bern die Swiss Hospitality Awards erstmals verliehen werden. Auf dem Höhepunkt des Hospitality Summit erleben Sie Anerkennung für Exzellenz und grosse Leistungen. Freuen Sie sich auf einen festlich-stilvollen Abend voller Inspiration und Emotionen. Durch die Award Night führen Jennifer Bosshard und Bastian Baker. Damit sind beste Unterhaltung und Glamour garantiert.

Programm Hospitality Summit 2026