Saisonarbeitende sind für viele Tourismusdestinationen wichtige Arbeitskräfte. Ob sie eine Stelle antreten und in einer weiteren Saison zurückkehren, hängt jedoch auch von ihrer Wohnsituation ab. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Universität Lausanne im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO). [RELATED]

Untersucht wurden Adelboden, Leysin, Saas-Fee und Villars-sur-Ollon. Grundlage bilden 95 Interviews, davon 84 mit Saisonarbeitenden. Die Untersuchung wurde von den Kantonen Bern, Waadt und Wallis mitfinanziert. Nach Angaben des BWO nimmt sie erstmals die Wohnsituation und die Bedürfnisse aus Sicht der Saisonarbeitenden in den Blick.

Bezahlbarkeit steht an erster Stelle

Als grösste Herausforderung nennen die Befragten die Wohnkosten. Sind diese im Verhältnis zum Einkommen hoch, bleibt weniger Geld, das während der Saison gespart werden kann.

Neben dem Preis spielt die Lage eine wichtige Rolle. Saisonarbeitende bevorzugen Unterkünfte in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und wichtiger Dienstleistungen. Kurze Wege senken die Mobilitätskosten und erleichtern den Alltag bei unregelmässigen Arbeitszeiten und winterlichen Verhältnissen.

Beim Wohnstandard stehen laut Untersuchung weniger hohe Komfortansprüche als grundlegende Anforderungen im Vordergrund. Die Unterkünfte sollen sauber, ausreichend gross und zweckmässig ausgestattet sein sowie Privatsphäre ermöglichen. Gerade in Wohngemeinschaften können unterschiedliche Arbeitszeiten und Tagesrhythmen zu Herausforderungen führen.

Mietdauer passt nicht immer zur Saison

Ein weiteres Problem sind die Mietverträge. Deren Laufzeit deckt sich teilweise nicht mit der Dauer des saisonalen Arbeitsverhältnisses. Dadurch können zusätzliche Kosten entstehen. Die Befragten wünschen sich flexiblere Ein- und Auszugstermine sowie Möglichkeiten, dieselbe Unterkunft in einer folgenden Saison erneut zu nutzen.

Wie angespannt die Situation ist, unterscheidet sich laut Untersuchung zwischen den Destinationen. Einfluss haben unter anderem das verfügbare Wohnungsangebot, die Preise, der Anteil der Zweitwohnungen, die Erreichbarkeit und verfügbare Unterkünfte in den umliegenden Gemeinden.

Eine einheitliche Lösung sieht der Bericht deshalb nicht. Workshops in den vier Destinationen und ein nationaler Austausch zeigen vielmehr, dass lokale Ansätze gefragt sind. Arbeitgeber und Gemeinden sollen dabei mit Kantonen, Tourismusorganisationen und weiteren Akteuren zusammenarbeiten. (mm)