Gerade in Tourismus- und Berggebieten kann die gleichzeitige Anreise vieler Gäste die Verkehrsinfrastruktur belasten. Die Hochschule Luzern (HSLU) hat deshalb im Auftrag des Bundesamts für Strassen (Astra) untersucht, mit welchen Massnahmen sich das Verhalten bei Tagesausflügen, Wochenendtrips und Ferienreisen beeinflussen lässt. [RELATED]
Ein Ergebnis: Für die Wahl des Reisezeitpunkts ist die Gewissheit, am Ziel einen Parkplatz zu finden, wichtiger als die Höhe der Parkgebühren. Eine garantierte Parkmöglichkeit, etwa durch eine vorgängige Reservation, erhöht laut Studie die Bereitschaft eines Teils der Befragten, die Hinreise zeitlich zu verschieben. «Mit einer Reservation erhalten Reisende Planungssicherheit, gleichzeitig lässt sich ihre Ankunft besser über den Tag verteilen», sagt Studienleiter Widar von Arx von der Hochschule Luzern.
Gepäckservice erleichtert den Umstieg auf den ÖV
Soll der Autoverkehr reduziert werden, sind günstigere ÖV-Tickets allein laut Studie nicht der entscheidende Hebel. Vielmehr gilt es, praktische Nachteile des öffentlichen Verkehrs zu reduzieren. Ein Tür-zu-Tür-Gepäckservice könnte den ÖV-Anteil bei den betroffenen Tagesreisen um bis zu acht Prozentpunkte erhöhen. Wichtig sind zudem direkte Verbindungen: Bereits ein zusätzlicher Umstieg senkt bei Tagesreisen die Wahrscheinlichkeit einer ÖV-Wahl um 31 Prozent. Auch ein dichter Takt und einfach kombinierbare Mobilitätsangebote für den letzten Reiseabschnitt können den Umstieg fördern. Besonders Personen mit einem bestehenden ÖV-Abonnement zeigen sich bereit, für diesen Abschnitt vom Auto auf den öffentlichen Verkehr zu wechseln.
Bei komplexen Reisen dominiert das Auto
Insgesamt werden rund 70 Prozent der untersuchten Ausflugs- und Ferienreisen mit dem Auto und 30 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt. Besonders häufig kommt das Auto zum Einsatz, wenn Gepäck oder Kinder mitreisen, die Reise mehrere Tage dauert oder das Ziel im ländlichen Raum liegt. Personen ohne ÖV-Abonnement reisen in über 92 Prozent der Fälle mit dem Auto. Die Studie «Einfluss von Massnahmen auf das Verkehrsverhalten im nicht-alltäglichen Freizeitverkehr» entstand in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Rapp AG. Grundlage waren unter anderem Verkehrszählungen, Befragungsdaten sowie Daten des Mikrozensus Mobilität und Verkehr. (mm)
Zur Studie
Die Studie «Einfluss von Massnahmen auf das Verkehrsverhalten im nicht-alltäglichen Freizeitverkehr» wurde im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA von der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Rapp AG durchgeführt. Unter «nicht-alltäglichem Freizeitverkehr» verstehen die Forschenden Freizeitfahrten ausserhalb der täglichen Routinen, beispielsweise Tagesausflüge, Wochenendtrips und Ferienreisen. In sechs Teilprojekten untersuchte das Forschungsteam, wie sich die Verkehrsmittelwahl im Freizeitverkehr beeinflussen und Verkehrsspitzen auf der Strasseninfrastruktur entzerren lassen. Im Zentrum standen die Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr und die Frage, welche Massnahmen tatsächlich zu einer Veränderung des Verkehrsverhaltens führen. Grundlage der Studie waren unter anderem Verkehrszählungen, Befragungsdaten sowie Daten des Mikrozensus Mobilität und Verkehr. Diese schweizweite Erhebung liefert regelmässig Informationen zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung.
Die komplette Studie gibt es hier zum Download.