Geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Herausforderungen beschäftigen unseren Tourismussektor. Das Thema Nachhaltigkeit verschwindet in dieser Zeit oft aus den oberen Rängen der Prioritätenliste. Doch genau in solchen Zeiten ist es umso wichtiger, das bestehende Engagement weiterzuführen, aus unternehmerischer Perspektive zu handeln und damit langfristig Wettbewerbsvorteile aufzubauen.  [RELATED]

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass die nachhaltige Entwicklung im Tourismussektor bereits stark verankert werden konnte: Mittlerweile sind über 2500 Betriebe und 25 Destinationen beim Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable eingestuft, rund ein Viertel der teilnehmenden Betriebe hat seit Programmbeginn sogar in ein höheres Level gewechselt. Diese Dynamik macht deutlich, dass das Nachhaltigkeitsengagement vielerorts nicht bei Einzelmassnahmen aufhört, sondern schrittweise ausgebaut wird. Diese Haltung zur kontinuierlichen Weiterentwicklung erachten wir als Grundprämisse für einen zukunftsfähigen Schweizer Tourismus. 

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsvorteil werden. 

Gleichzeitig verändern sich Schwerpunkte, und das Themenspektrum wird erweitert: Neben rein ökologischen Fragestellungen gewinnen auch soziale und wirtschaftliche Themen wie die Tourismusakzeptanz und eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation an Bedeutung. Es ist wichtig, die Haltung der Schweizer Bevölkerung zu den Auswirkungen des Tourismus auf ihren Lebensraum ernst zu nehmen und sich für ein positives Miteinander einzusetzen. Transparente Kommunikation ist dabei entscheidend, dies gilt auch gegenüber unseren Gästen. Regulatorische Veränderungen sollten als Chance genutzt werden, die eigenen Nachhaltigkeitsleistungen noch nachvollziehbarer und glaubwürdiger gegen aussen zu kommunizieren. 

Bei all diesem Engagement stellt sich für die Betriebe nicht nur die Frage nach dem greifbaren Nutzen ihrer Taten, sondern auch nach konkreter Unterstützung. Hier setzt das Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit (Kona) des Schweizer Tourismus-Verbands an: Seine Rolle besteht darin, Akteure zu vernetzen, Wissen und Kompetenzen aufzubauen, Wirkung sichtbar und messbar zu machen sowie Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Projekte wie das Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable und Formate wie die Sustainable Tourism Days oder die Sustainable Tourism Community schaffen dazu wichtige Plattformen für Austausch, Orientierung und gemeinsames Lernen. So kann Nachhaltigkeit auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen wirksam auf der touristischen Agenda gehalten und konsequent gemeinsam weiterentwickelt werden. 

Romy Bacher ist Leiterin Nachhaltigkeit beim Schweizer Tourismus-Verband (STV).