«Mentoring sagt dir, was du tun sollst – Sponsorship bringt deinen Namen in den Raum, wenn du nicht da bist.» Mit diesem Satz bringt Marilyn Freundlich aus St. Louis (Missouri), Präsidentin von «Les Dames d’Escoffier International» (LDEI), die aktuelle Herausforderung der Frauenförderung im Tourismus auf den Punkt. Im Gastgewerbe sind weltweit mehrheitlich Frauen beschäftigt. In Geschäftsleitungen, Verwaltungsräten und unter den Eigentümerinnen sind sie jedoch weiterhin deutlich untervertreten. Auch in der Schweiz zeigt sich dieses Bild: Frauen machen 45 Prozent der Beschäftigten im Tourismus aus, besetzen aber nur 29 Prozent der Sitze in strategischen Gremien und 20 Prozent der Verbandspräsidien.[RELATED]
Sichtbarkeit schaffen
Für Angela Raimann, Präsidentin von «Frauen im Tourismus», geht es beim beruflichen Fortschritt von Frauen neben einzelnen, mutigen Offensiven vor allem um nachhaltige Strukturen und gegenseitige Unterstützung. Ihr Netzwerk schafft Räume für ehrlichen Austausch, Reflexion und Sichtbarkeit. «Es ist wichtig, dass Frauen ihre Erfahrungen teilen und sich gegenseitig stärken – gerade in entscheidenden Phasen wie Weiterentwicklungen oder Verhandlungen.»
Auch das Aufbrechen bestehender Rahmenbedingungen ist ein Thema. Formate wie der Event «Female Voices» machen Frauen in der Branche sichtbarer und zeigen die Vielfalt an Karrierewegen. Dadurch entstehen Vorbilder als reale, greifbare Beispiele, die Mut machen und Orientierung geben.
Frauen führen
Nur 29 % der Sitze in strategischen Gremien wie Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen sind im Tourismus durch Frauen besetzt.
Nur 20 % der Präsidien der Tourismusverbände sind weiblich besetzt.
Obwohl 45 % der Beschäftigten im Tourismus Frauen sind, beträgt ihr Anteil am Vollzeitäquivalent nur 39 %. Viele arbeiten Teilzeit.
Leadership und Selbstvertrauen
Auf der nächsten Ebene, der Führungskompetenz, setzen Initiativen wie «Women in Leadership» der EHL an. Hier geht es darum, das Vertrauen in die eigene Führungskompetenz zu stärken. Tessa Chaffey, Präsidentin der EHL-Alumni, beobachtet, dass gesellschaftliche Normen Frauen oft in die Rolle der «People Pleaser» drängen, die vor allem Harmonie sicherstellen sollen. «Frauen tragen zudem eine enorme Last an Schuldgefühlen – die Angst, als Mutter im Job und gleichzeitig als Karrierefrau zu Hause zu versagen», so Chaffey. Strategische Netzwerke bieten hier geschützte Räume für lösungsorientierte Gespräche, um dieses Mindset zu durchbrechen und den Fokus auf die eigene Leadership-Identität zu legen.
Die höchste Stufe der Netzwerkdramaturgie ist der direkte Einfluss auf die Mitgestaltung auf strategischer Ebene. Tendenzen zeigen, dass Mentoring in den nächsten Jahren durch aktive Sponsorship ersetzt wird. Marilyn Freundlich betont, dass Frauen oft hervorragende Ratschläge erhielten, ihnen aber die Fürsprecher fehlten, die in entscheidenden Momenten – etwa bei Investitionen oder Beförderungen – für sie eintreten.
Strategische Netzwerke als Erfolgsfaktor
Es lässt sich eine klare Entwicklung feststellen: von der reinen Sichtbarkeit über die Stärkung der Führungspersönlichkeit bis hin zum Gewinn an strukturellem Einfluss. Frauennetzwerke im Jahr 2026 sind keine reinen Austauschplattformen mehr, sondern hochwirksame Karrierenetzwerke. Die Zukunftsfrage bleibt: Wird Sponsorship zur geschlechterneutralen Selbstverständlichkeit, oder braucht es die spezialisierten Frauenplattformen dauerhaft, um die Parität an der Spitze zu realisieren?
Frauennetzwerke
Frauen im Tourismus
[IMG 4]Das Schweizer Netzwerk für Touristikerinnen, gegründet 1995, hat rund 100 Mitglieder aus Reisebüros, Tourismusorganisationen, Hotellerie sowie Kommunikation und Beratung. Präsidentin ist Angela Raimann. Die Anlässe finden in Bern und Zürich statt. Der Fokus liegt auf Erfahrungsaustausch, Sichtbarkeit und Karriereentwicklung.
frauenimtourismus.ch
EHL-Initiative «Women in Leadership»
Seit 2018 unterstützt die akademisch verankerte Initiative die Professionalisierung weiblicher Führung in Hospitality und Tourismus. 2023 nahmen 1883 Personen am «WIL Day» teil. Der Fokus der Initiative liegt auf Leader-Pipelines, Forschung und Empowerment durch Formate wie den jährlichen «WIL Day».
ehlgroup.com
Les Dames d’Escoffier International
Internationales Netzwerk mit rund 2800 Mitgliedern in über 40 Ortsgruppen in den USA, Kanada, Mexiko, UK, Italien mit Interesse an einer Expansion in Europa. 1985 in New York gegründet, fördert es Frauen durch Mentoring, Stipendien und Sponsorship. Präsidentin ist Marilyn Freundlich.
ldei.org
