Dossier: Gesundheit
Gesundheit! Von der Höhenluft zu Longevity
Gesundheit
Welches Leben darfs denn sein?
Oscar Wilde wusste schon 1890, dass ewige Jugend ihren Preis hat. In seinem «Dorian Gray» wird dieser Traum zum Albtraum. Heute ersetzen wir das unbestechliche Porträt durch Blutwerte, Schrittzähler und Longevity-Apps. Der Mechanismus aber ist derselbe: Wir externalisieren, messen und kontrollieren, um uns selbst zu entkommen. Der moderne Mensch ist ein Dorian Gray mit Smartwatch. [RELATED]
Jahrhundertelang konnte…
Gesundheitstourismus
Kraftort Schweiz: Der Zauberberg wird zur modernen Spa-Suite
Als Thomas Mann 1912 seine Frau Katia nach Davos begleitete, war der Höhenkurort längst Legende. Auf der Schatzalp, einer Sonnenterrasse oberhalb des Dorfs, stand eines der modernsten Tuberkulose-Sanatorien Europas mit Liegeterrassen, Glasveranden und Blick ins Landwassertal. Es wurde zur Vorlage für Manns Roman «Der Zauberberg». Das Berghotel Schatzalp existiert noch heute und ist Symbol für die Ursprünge und den…
History
Vom Klosterbad zur Longevity: Die Heiltradition der Schweiz
Antike Heilbäder Schon in der römischen Antike nutzten Menschen natürliche Ressourcen wie Thermal- und Schwefelquellen. Orte wie Baden oder Yverdon-les-Bains galten als heilkräftig; Warmwasserbäder, Ruhe und Ernährung wurden dort als Teil der Kur verstanden. [RELATED]
Klösterliches Heilwissen Im Mittelalter gaben Klöster wie Pfäfers, Einsiedeln oder St. Urban Heilwissen weiter. Klosterbäder und Kräuterheilkunde…
Kolumne
Zwischen Detox und Dolce Vita
Ich war ja skeptisch. «Gesundheitsferien» – das klingt für mich immer ein bisschen nach Müsliriegel in der Morgensonne, nach Zwangsentspannung mit Handykontrollverlust. Aber ich habe mich darauf eingelassen. Auf den Ausstieg aus dem Alltag, den Rückzug in ein Refugium der Achtsamkeit. Und ja, auf das Leben im Bademantel.
Ich liebe Bademäntel. Ich habe einige zu Hause, aber jeder Bademantel zu seiner Zeit – und nicht für den ganzen Tag. Trotzdem habe ich mich auf dieses Erlebnis eingelassen, wie es mehr oder weniger vorgeschrieben war. Doch mich überkam dieses seltsame Gefühl der Identitätslosigkeit, wenn man mittags in den Badeslippern zum Lunch schlurft. Vielleicht definiere ich mich doch mehr über Kleidung, als mir lieb ist.
Im Gesundheitsretreat war alles durchgetaktet: Sprudelbad, Schlammpackung, Wasserschlauch (fast wie im alten Sanatorium, dachte ich, nicht wie im Spa). Danach Schröpfmassagen – die blauen Flecken habe ich mit Stolz getragen. Und zwischen all dem: Tee, Brühe und ein winziges Stückchen von etwas Gesundem. Solch strikte kulinarische Entsagungen, so lernte ich, sollen Wissenschaft pur sein – Detox, Entgiftung, Stoffwechsel. Schmeckt besser, als man denkt. Nur satt wird man selten. Und der Koffeinentzug? Eine leise Lektion in Kopfschmerz und Schlaflosigkeit.
Ich fand das Konzept der Eiskammer grossartig – theoretisch.
Die Eiskammer habe ich übrigens mehrmals abgesagt. Schon beim Gedanken daran setzte mein Kreislauf aus, und einmal bekam ich sogar eine Panikattacke. Ich fand das Konzept trotzdem grossartig – theoretisch. Man sagt, man solle sich auf so ein Retreat völlig einlassen. Körper, Geist, Seele. Abschalten. Doch wie schaltet man ab, wenn das Handy im Hotelzimmer blinkt, der mitgebrachte Drucker nicht funktioniert und man im Kopf trotzdem noch To-do-Listen schreibt? Oft fühlte sich das Ganze eher nach Arbeitsplatzverlagerung an als nach Heilung.
Natürlich gibt es diese Momente, die wirken: das langsame Kauen eines knusprigen, völlig salzfreien Knäckebrots, die Stille nach dem Schlammbad, der Spaziergang nach der Massage. Wenn man sich wirklich einlässt, kann man spüren, wie gut es tut, mal nichts zu müssen.
Aber dann kommt man heim. Und schon am ersten Abend stellt man sich einen Teller Spaghetti auf den Tisch. Al dente, mit Butter und Parmesan. Dazu ein Glas kräftiger Rotwein. Und ganz ehrlich? Ich nenne das auch Selbstfürsorge. Vermisst habe ich das alles sowieso.
Ja, Gesundheitsferien sind schön. Sie sind teuer, geregelt, streng – und sie geben einem eine Basis, auf der man aufbauen kann. Aber das Leben findet nicht im Spa statt. Nachhaltig wird das Ganze erst, wenn man zurück im Alltag auf den eigenen Körper hört, den Spaziergang einschiebt, das Handy auch mal liegen lässt. Ich habe es versucht, und manchmal gelingt es mir auch wirklich gut. Und wenn das nicht klappt? Dann trinke ich eben ein Glas Wein. Achtsam, versteht sich.
Tanja Wegmann leitet seit drei Jahren ihr Beratungsunternehmen Tanja Wegmann Hospitality. Mit umfassender Managementerfahrung und einem MBA der Henley Business School berät sie Unternehmen und ist in mehreren Verwaltungsräten sowie Stiftungen tätig.
Geschäftsmodell
Thermalbäder sind kein Zuckerschlecken
Jährlich besuchen mehr als eine Million Menschen die Thermalbäder im Wallis. Deren Zahl wächst stetig. Der jüngste Neuzugang: die Grands Bains d’Hérémence im Val d’Hérens. Seit der Eröffnung im Jahr 2023 hat sich die Destination gewandelt. Auch wenn Thermalbäder dem aktuellen Bedürfnis nach Abschalten und Wellness entsprechen, sind sie dennoch kein Allheilmittel. Man erinnere sich an die finanziellen Schwierigkeiten…
Hotellerie und Pflege
Die perfekte Kombination
Neun Jahre war Beat Bührer Gastgeber im Parkhotel Gunten. Dieses Jahr wechselte er zum Zentrum Artos Interlaken, einer Kombination aus Hotel, Pflegezentrum und Wohnen. Sein Alltag als Zentrumsleiter unterscheidet sich kaum vom Alltag als Hotelier. «Alles in der klassischen Hotellerie Erlernte ist hier 1:1 anwendbar. Es geht um Erlebnisse, authentische Dienstleistung, Wertschätzung und unternehmerisches…
Lebensqualität
Longevity als Erfolgsfaktor in der Hotellerie
Anna Erat, wie alt möchten Sie werden? Für mich steht nicht die maximale Lebensdauer im Mittelpunkt, sondern die gesunde Lebenszeit. Das Leitmotiv «adding life to years, not only years to life» bringt es auf den Punkt.
Longevity ist in aller Munde. Was unterscheidet für Sie gesunde Langlebigkeit von blossem «Altwerden»? Wissenschaftliche und medizinische Fortschritte haben Langlebigkeit von einem Mythos zu einer…
Essen als Medizin
«Kochen ist unsere Methode, Therapie das Resultat»
Das «Chenot Palace» liegt pittoresk am Vierwaldstättersee und verfügt über 95 Zimmer. Die Gäste kommen hierher für Detox-Aufenthalte, tagsüber sitzen sie nach Wellness und Therapien in fluffigen Bademänteln in der Lounge. Das 5-Sterne-Superior-Hotel ist auch ein Gesundheitshotel. Hier steht Longevity im Fokus, auf Deutsch: Langlebigkeit. Ein ganzheitlicher Ansatz mit dem Ziel, nicht nur länger zu leben, sondern auch…
Hospitality-Kompetenz
Weshalb Patienten mehr erwarten dürfen
Bevor ein neuer Beruf in der Praxis ankommt, wird er zuerst in Weiterbildungen, Forschungsprojekten und Seminarräumen verhandelt. Genau dort formt sich derzeit das Profil des Chief Experience Officer (CXO). Ausbildungsstätten wie die EHL und die Schweizerische Hotelfachschule Luzern verdeutlichen, wie eng Patientenerlebnisse mit Behandlungsergebnissen verbunden sind und weshalb moderne Gesundheitsausbildungen…
Bottom-up-Strategie
Graubünden sucht neue Wege im Gesundheitstourismus
Obwohl das deutsche Zukunftsinstitut und die Hochschule Luzern (HSLU) im Gesundheitstourismus einen Megatrend erkennen, bleibt der nachhaltige Erfolg in den Schweizer Destinationen bisher aus. Die Schliessung der Luxus-Rehaklinik auf dem Bürgenstock und der Rückzug von Schweiz Tourismus (ST) 2024 markieren einen Bruch in der jahrelangen Förderung. Die Begründung von ST, man wolle sich «stärker auf das Kerngeschäft…






