Der tschechische Investor Jan Michal hat im Bündner Bergdorf Splügen bereits rund 30 Millionen Franken investiert und das ehemalige Hotel  Pratigiana als Speluca Brauerei und Hotel wiedereröffnet. Doch das ist nur der erste Schritt. Mit einer geplanten Feriensiedlung mit rund 500 Betten und Investitionen von bis zu 150 Millionen Franken will Michal den Tourismus im Rheinwald neu beleben. Das Projekt könnte dem Dorf neue Perspektiven eröffnen – stellt den kleinen Ort mit 370 Einwohnern aber auch vor grundlegende Fragen zur touristischen Entwicklung. Jan Michal nimmt Stellung.

Jan Michal, warum glauben Sie an den Standort Splügen?
Ich sehe Splügen als grosse unternehmerische Chance. Ich könnte anderswo ein sehr teures Grundstück erwerben und müsste mich stark an die örtlichen Bedingungen anpassen. In Splügen bieten sich deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Haben Sie sich auch andere Standorte in der Schweiz angesehen?
Nein, das war tatsächlich ein Spontanentscheid während der Corona-Zeit. Ich wurde nach Splügen eingeladen und bin dann gewissermassen hängen geblieben. Inzwischen bin ich fast wöchentlich vor Ort.

Ihr erstes grosses Projekt in Splügen war die Wiedereröffnung des Hotels Speluca im Sommer 2025. Rund 30 Millionen Franken Investitionen, 115 Betten und 35 Mitarbeitende und sogar eine Brauerei. Was haben Sie in dieser ersten Phase über Splügen und seine Menschen gelernt?
Wenn wir uns nicht verstanden hätten, wäre das Projekt nicht zustande gekommen. Wir fühlen uns hier sehr willkommen. Dieser Zuspruch hat sicher auch mit der Art des Projekts zu tun: ein altes Hotel mit Brauerei und Gastronomie wiederzubeleben. Die Baubewilligung lag innerhalb von drei Monaten vor. Gleichzeitig ist klar: Das «Speluca» kann nicht alleine existieren. Wir brauchen wieder mehr Frequenzen im Ort.

Dafür wollen Sie rund 150 Millionen Franken in eine Feriensiedlung mit 500 Betten investieren. Wie gross ist das unternehmerische Risiko eines solchen Projekts?
Die Entwicklung der Parzelle bei der Talstation wurde schon mehrfach diskutiert. Die bisherigen Projekte sind jedoch immer wieder gescheitert. Wir legen nun ein breit abgestütztes Projekt vor und stehen im regelmässigen Austausch mit der Bevölkerung, der Gemeinde und dem Kanton sowie anderen Behörden. Trotzdem wollen wir vorsichtig vorgehen. In einem ersten Schritt planen wir einen Campingplatz. Danach werden wir uns fünf bis sechs Jahre Zeit nehmen, um zu prüfen, ob ein Resort an diesem Standort wirklich Sinn macht.

Ein Teil der Bevölkerung befürchtet, dass Splügen seinen Charakter verlieren könnte. Wie begegnen Sie dieser Kritik?
Manche Stimmen befürchten tatsächlich, wir würden hier ein Disneyland bauen. Es liegt in unserer Verantwortung, das Ortsbild nicht zu zerstören. Als Prager habe ich eine grosse Wertschätzung für Baukultur. Splügen ist ein Juwel, der Dorfkern ist einmalig. Die Architekten Herzog & de Meuron haben zwei unterschiedliche Ansätze ausgearbeitet: ein sehr modernes Resort und eine Variante, die sich stärker am Oberdorf von Splügen orientiert. Wir verfolgen nun Letzteres.

Kann ein so grosses Projekt ein kleines Dorf wie Splügen nicht überfordern?
Nein, denn es gibt schlicht kaum Bauland. Selbst wenn wir alles realisieren würden, was überhaupt möglich ist, kann Splügen nie überfüllt werden.

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Wer ist Jan Michal?
Der Prager Unternehmer Jan Michal stammt aus einer tschechischen Unternehmerfamilie mit Wurzeln im Pharma- und Gesundheitsbereich. Heute tritt er selbst als Investor auf und engagiert sich unter anderem im Bündner Rheinwald. Michal ist Mitglied des Verwaltungsrats der Bergbahnen Splügen-Tambo AG . 


Nur wenige Kilometer entfernt verfolgt San Bernardino grosse touristische Ausbaupläne. Sehen Sie darin eher Konkurrenz oder eine Chance für die Region?
Was San Bernardino nicht hat, hat Splügen – und umgekehrt. Splügen kann gar nicht so viel bauen wie San Bernardino. Das ist für uns auch eine Chance. Wir haben einen wunderschönen Dorfkern, San Bernardino hat mehr Platz für Events. Wir verfügen über die Pistenkilometer, sie haben ein starkes Sommerangebot. Zusammen kann daraus ein attraktives Ganzjahresangebot entstehen.

Sind Sie mit dem Investor Stefano Artioli im Austausch?
Nicht täglich, aber regelmässig.

Woran werden Sie erkennen, dass sich Ihr Engagement in Splügen gelohnt hat?
Ich orientiere mich gerne an alten Bildern von Splügen. Es wäre schön, wenn wieder mehr Leben ins Dorf zurückkehrt.

Wie geht es nun konkret weiter?
Wir hoffen, die Revision der Raumplanung noch dieses Jahr abschliessen zu können. Parallel planen wir den Campingplatz, damit wir möglichst bald mit der Umsetzung beginnen können.


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