Jürg Domenig, die Hotela blickt auf ein gutes 2025 zurück. Was waren die wichtigsten Entwicklungen?
Ja, die Hotela ist gut unterwegs. Alle Institutionen – die AHV- und die Familienausgleichskasse, die Krankenkasse, die Hotela Versicherungen AG und die Vorsorgestiftung – konnten ihr Wachstum fortsetzen. Immer mehr Unternehmen schliessen alle Sozialversicherungen bei uns ab und nutzen zudem unseren Payroll Service. Über alle Institutionen hinweg verzeichneten wir höhere Einnahmen aus Beiträgen und Prämien. Gleichzeitig stiegen die Leistungskosten markant an. Dank der guten Anlageergebnisse konnten vier der fünf Institutionen trotzdem einen Überschuss erzielen. [RELATED]
Als Non-Profit-Organisation beteiligt die Hotela ihre Kunden und Versicherten am Erfolg. Was heisst das konkret?
Wir verwenden gute Ergebnisse zum einen, um unsere Reserven zu stärken und Weiterentwicklungen zugunsten unserer Kunden zu finanzieren. Zum anderen profitieren die angeschlossenen Unternehmen und die Versicherten auch ganz direkt. Zwei Beispiele: In der Vorsorgestiftung verzinsten wir die Altersguthaben für 2025 mit 3 Prozent Zins. Das ist deutlich mehr als gesetzlich vorgeschrieben. In der Familienausgleichskasse gaben wir in 12 Kantonen Überschüsse in Form von Tarifsenkungen per 2026 weiter.
Die Leistungen stiegen vor allem in den Taggeldversicherungen. Wie reagiert die Hotela?
Die gesundheitsbedingten Absenzen nehmen in den Unternehmen stark zu, was höhere Leistungen zur Folge hat. Dies ist ein Problem, das alle Kranken- und Unfallversicherer betrifft und sich direkt auf die Prämien auswirkt. Auch wir mussten in den Taggeldversicherungen bei einigen Betrieben die Prämien für 2026 erhöhen. Je nach Leistungsbezug kam es aber auch zu Prämiensenkungen. Zudem haben wir unser Engagement in der Unfall- und Gesundheitsprävention verstärkt. So können wir unsere Kunden noch umfassender dabei unterstützen, Fehlzeiten zu reduzieren.
Gesundheitsbedingte Absenzen nehmen in den Unternehmen stark zu.
Was bedeutet die Digitalisierung für die Hotela?
Wir sehen die Digitalisierung seit vielen Jahren als grosse Chance, um uns mit einfachen und kundenfreundlichen Prozessen und unserem One-Stop-Shop zu differenzieren. Unseren Mitbewerbern gegenüber haben wir den Vorteil, dass wir alle fünf Sozialversicherungen mit eigenen Produkten sowie einen Payroll-Service anbieten. Um diesen strategischen Vorteil auszuspielen, investieren wir konsequent in unsere IT-Infrastruktur. Dazu gehört auch, dass wir die digitale Plattform Hotela+ kontinuierlich ausbauen. Das Ziel aller Digitalisierungsschritte ist, dass wir unseren Kunden Arbeit abnehmen und gleichzeitig unsere eigene Effizienz stetig verbessern.
Welche Themen haben Sie persönlich besonders beschäftigt?
Ein wichtiger Schwerpunkt war die Rekrutierung des Nachfolgers von Generaldirektor Michael Bolt, der Ende 2026 nach 17 Jahren verdienstvoller Tätigkeit in Pension geht. Wir haben den Prozess schon länger eingeleitet und liessen uns professionell begleiten. Ende Mai 2026 konnten wir bekanntgeben, dass die Vereinigten Vorstände Michel Wiederkehr als Generaldirektor ab 2027 gewählt haben. Das war ein wichtiger Entscheid für die Zukunft, der mich sehr freut.
Das laufende Jahr ist für Hotellerie und Tourismus sehr anspruchsvoll. Wie steht die Hotela zurzeit da?
Wir sind sehr eng mit unseren Gründerbranchen verbunden – auch wirtschaftlich. Aktuell spüren wir den Krieg im Nahen Osten und die geopolitischen Folgen aber vor allem bei den Kapitalanlagen. Die Märkte sind ausgesprochen volatil, und wir sind froh um unsere stark diversifizierte Anlagestrategie. Nötigenfalls könnten unsere hohen Reserven grössere Schwankungen ausgleichen. Unsere gute finanzielle Lage ist in solchen Zeiten besonders wertvoll.
