Raphael Meier, wie haben sich die Bedürfnisse der Hotelgäste in den letzten zehn Jahren in Bezug auf Schlafkomfort verändert?
Das Bewusstsein für guten Schlaf ist deutlich gestiegen. Gäste erwarten heute nicht nur ein bequemes Bett, sondern einen erholsamen, hochwertigen Schlaf als festen Bestandteil des Hotelerlebnisses. [RELATED]
Sind die Ansprüche also gestiegen?
Sie sind differenzierter geworden: Unterschiedliche Schlafpositionen, individuelle Komfortbedürfnisse und ein höheres Hygienebewusstsein spielen eine grössere Rolle.
Wie reagiert Bico auf differenzierte Bedürfnisse?
Wir verfügen über ein eigenständiges, auf die Hotellerie ausgerichtetes Sortiment, das wir 2025 grundlegend überarbeitet haben, um der gestiegenen Vielfalt an Anforderungen gerecht zu werden. Statt weniger Standardmodelle bieten wir heute ein modular aufgebautes System mit über 60 Matratzenkonfigurationen in unterschiedlichen Komfort- und Qualitätsstufen an. Wir wollen den Hoteliers ein professionelles, strukturiertes Sortiment bieten, das sowohl wirtschaftliche als auch qualitative Anforderungen optimal abdeckt.
Wie hat sich die Matratzenproduktion in den letzten Jahren technologisch und ökologisch weiterentwickelt?
Die Materialvielfalt und die technischen Möglichkeiten haben deutlich zugenommen. Fortschritte sehen wir vor allem in präziseren Fertigungsprozessen, verbesserten Materialkombinationen und einer konstant höheren Qualitätskontrolle. Parallel dazu ist das Thema Nachhaltigkeit stark in den Fokus gerückt. Der Einsatz schadstoffarmer Materialien, die Reduktion von Klebstoffen sowie die Verwendung von recycelten Rohstoffen oder Produktionsresten sind heute zentrale Entwicklungsfelder. Entscheidend bleibt dabei, dass Komfort und Lebensdauer mindestens gleich hoch sind wie bei konventionellen Lösungen.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bei der Entwicklung neuer Matratzen im Hospitality-Segment?
Beide sind eng miteinander verknüpft, aber nicht identisch. Während nachhaltige Materialien und langlebige Konstruktionen bereits stark nachgefragt werden, befindet sich die echte Kreislaufwirtschaft noch im Aufbau. Als Gründungsmitglied der Matratzen-Allianz (siehe Box) engagieren wir uns aktiv für den Aufbau von Recyclingstrukturen. Unsere Textilien enthalten mindestens 46 Prozent Post-Consumer-Recyclingmaterial, und viele Modelle sind in zirkulären Hüllenvarianten erhältlich.
In unserem hauseigenen Sleep Lab untersuchen wir seit über elf Jahren Themen wie Ergonomie, Bettklima, Hygiene, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit.
Wie stark fliessen Erkenntnisse aus der Schlaf- und Gesundheitsforschung in Ihre Produkte ein?
Forschung ist ein zentraler Bestandteil unserer Entwicklungsarbeit. In unserem hauseigenen Sleep Lab untersuchen wir seit über elf Jahren Themen wie Ergonomie, Bettklima, Hygiene, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit. Zusätzlich arbeiten wir mit dem Institut für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) zusammen, das unsere Produkte unabhängig begleitet und zertifiziert. Erkenntnisse aus Kooperationen mit Schlafforschern sowie Fachpersonen aus Ergonomie und Therapie fliessen in unsere Entwicklung ein. Unser Ziel ist es, Komfort nicht nur subjektiv, sondern auch wissenschaftlich nachvollziehbar zu gestalten.
Wie individuell können Hoteliers Matratzenlösungen für ihre Gästezimmer konfigurieren?
Die Individualisierung erreichen wir durch Systematik. Dank des modularen Aufbaus können wir Matratzen gezielt auf unterschiedliche Hotelkonzepte, Zimmerkategorien oder Budgetstufen abstimmen. Es geht um Härtegrade, Komfortzonen, Bauhöhen und Hüllenvarianten. Diese lassen sich flexibel kombinieren. Eine professionelle Beratung hilft, eine Lösung zu definieren, die sowohl zur Zielgruppe als auch zum betrieblichen Konzept passt. So entsteht keine unübersichtliche Produktvielfalt, sondern ein durchdachtes Schlafsystem.
Wie wichtig ist das Thema Swissness? Ist es bloss Marketing oder ein echter Mehrwert?
Für uns ist Swissness kein Marketinginstrument, sondern ein Qualitätsversprechen. Wir produzieren in Schänis und arbeiten mit langjährigen regionalen Partnern zusammen. Das ermöglicht kurze Wege, hohe Produktionskontrolle und eine konstante Qualität. Für Hoteliers bedeutet das langlebige Produkte, zuverlässige Lieferfähigkeit und transparente Herkunft. Gleichzeitig ist «Made in Switzerland» für viele Gäste ein glaubwürdiges Signal für Wertigkeit und Vertrauen – und damit ein echter Mehrwert in der Positionierung des Hotels.
Raphael Meier ist Head of Product Management & Development bei der Hilding Anders Switzerland AG, zu der auch die Marke Bico gehört.
