Es wird geredet. Über alles, mit allen, zu jeder Zeit. Zwischen Zoom, Slack, Teams und Beekeeper scheint es keine Ausrede mehr zu geben, nicht zu kommunizieren. Hurra, Kommunikation war noch nie so einfach! Aber … arbeiten wir dadurch wirklich besser zusammen? Was ist überhaupt Zusammenarbeit? Ganz sicher nicht: Back-to-back-Meetings und endlose Abstimmungsrunden. Denn nur weil wir ununterbrochen interagieren, heisst das noch lange nicht, dass wir gemeinsam etwas bewegen.
60 Meetings pro Monat
Natürlich meinen wir es gut, wir Führungskräfte. Wir wollen einbinden, Mitsprache fördern, Vertrauen schaffen. Aber verwechseln wir da nicht etwas? Kommunikation mit Zusammenarbeit? Information mit Transparenz? Das Meeting-Invite mit Vertrauen? Was einst Menschen verbinden sollte, ist zum Produktivitätskiller geworden. Laut Studien verschwenden, pardon, verbringen Mitarbeitende ihre Arbeitszeit im Schnitt in über 60 Meetings pro Monat. Hand aufs Herz: Wie viele sind es in Ihrem Hotel?
Gibt es keine Frage, deren Antwort Sie gemeinsam erarbeiten müssen, gibt es auch kein Meeting. E basta.
Christian Eckert, Managing Director, The Omnia Zermatt
Der noble Wunsch, alle mitzunehmen, endet oft darin, dass niemand mehr ankommt. Zwischen «Lass uns das noch mal besprechen» und «Ich hab jetzt noch einen Termin, können wir das vertagen?» versickert Energie. Was folgt, ist Meeting-Fatigue: Dauerstress, Schlafstörungen, Konzentrationsverlust und – last but not least – das Burn-out. Ausgerechnet die ständige Suche nach Verbindung trennt uns von dem, was zählt: Fokus, Klarheit und gesunde Distanz.
Meeting-Diät
Im «The Omnia» haben wir uns eine einfache, aber wirkungsvolle Meeting-Diät verordnet. Weniger leere Worte, mehr Informationsnährwert. Abgesehen von den im Hotelleriealltag unverzichtbaren Jours fixes, bei denen die Abteilungsleiter ihren Takt für den Tag finden, sind Meetings bei uns rar. Denn vor einem Klick auf «Send Invite» steht die Gretchenfrage: Braucht es diesen Call, diese Besprechung wirklich? Sie glauben gar nicht, wie viele Meetings, die niemand vermisst, dadurch nie stattgefunden haben.
Gehören Sie zu den ganz Gewissenhaften, die eine Diät auch wirklich durchziehen wollen? Hier noch ein Tipp: Beginnen Sie jedes Meeting mit einer konkreten Frage. Nicht mit einer Agenda, nicht mit einem Rückblick. Gibt es keine Frage, deren Antwort Sie gemeinsam erarbeiten müssen, gibt es auch kein Meeting. E basta.
Echte Begegnungen und Entscheidungen
Teilnehmen sollte auch nur, wer aktiv etwas beizutragen hat. Ein Meeting ist kein Publikumsevent, sondern ein Arbeitstreffen. Der Rest – Führungskräfte eingeschlossen – liest das Protokoll bei einem Espresso. Überhaupt läuft vieles bei uns im «The Omnia» asynchron: kurze Sprachnachrichten, knackige Mails oder KI-gestützte Zusammenfassungen. So bleibt mehr Raum für Deep Work und für das, was in Hotels wirklich zählt: echte Begegnungen und Entscheidungen, die spürbare Wirkung zeigen.
Christian Eckert ist Managing Director im «The Omnia» in Zermatt. Die Juristin und Autorin Barbara Thoma arbeitet an der Schnittstelle von Kommunikation, Marke und Wirkung – unter anderem für das «The Omnia».

