Während Pauschalangebote in den Bergen zum Kerngeschäft gehören, tun sich Stadthotels damit oft schwer. «Packages sind in der Stadt schwierig zu verkaufen, weil die Aufenthaltsdauer kurz ist und Gäste meist schon mit einem festen Programm anreisen», sagt Elia Morgenthaler, Hotelmanager des Ambassador Hotel Zürich. Klassische Zugaben wie Museumstickets würden deshalb selten genutzt. Gleichzeitig beobachtet Morgenthaler ein wachsendes Interesse an individuellen Erlebnissen. «Gefragt sind heute Angebote, die einen spontanen Zugang zur Stadt ermöglichen», sagt er. [RELATED]
Partnerschaften stehen und fallen mit den Personen, die sie lancieren.
Andrea Gir, Geschäftsführerin «Made in Zürich Initiative»
Das Quartier als Gastgeber
Mit dem Projekt «House of Ambassadors» verfolgt das Hotel deshalb einen neuen Ansatz. Gemeinsam mit lokalen Zürcher Marken wurden vier «Summer Experiences» entwickelt. Das Angebot reicht von privaten Wakeboard-Sessions über botanische Stadtspaziergänge bis hin zu Workshops mit dem Start-up Plastic Studio, das Gadgets wie Flaschenöffner aus Recycling-Plastik herstellt.
Für Morgenthaler geht es bei diesen sogenannten Added Benefits um mehr als zusätzliche Freizeitangebote. «Wir möchten unsere Gäste mit lokalen Partnern vernetzen und das Haus für die lokale Bevölkerung öffnen», sagt er. Das Hotel soll stärker mit dem Quartier und seinen Akteuren verbunden werden. Den Gästen soll dadurch ein Zugang zu Orten und Menschen ermöglicht werden, die sie als klassische Hotelgäste kaum kennenlernen würden.
Bewährungsprobe im Alltag
Doch dieser Ansatz bringt auch Herausforderungen mit sich. Andrea Gir, Geschäftsführerin der «Made in Zürich Initiative», verweist aus Erfahrung auf die Bedeutung der beteiligten Personen. «Solche Partnerschaften stehen und fallen mit den Personen, die sie lancieren», sagt sie. Damit die Zusammenarbeit funktioniere, müsse sie von den Mitarbeitenden getragen und im Alltag gelebt werden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei das keine Selbstverständlichkeit
Hinzu kommen praktische Fragen. Ein Dinner auf der Dachterrasse mag reizvoll sein, ist aber wetterabhängig und laut Morgenthaler organisatorisch aufwendig. Auch die Velomiete startet mit zwei Fahrrädern vorerst im kleinen Rahmen. Beim lokalen Partner Flinc können zusätzliche organisiert werden.
Ob sich der personelle und organisatorische Aufwand langfristig auszahlt, wird sich zeigen. Beim Lancierungsanlass Ende Mai stiess das Konzept jedoch auf grosses Interesse. Zwischen Partnern, Quartierbewohnern und Hotelgästen herrschte eine positive Stimmung. Die Erwartungen an «House of Ambassadors» sind entsprechend hoch. Nun muss das Konzept zeigen, wie gut es sich im Alltag bewährt.
