Es ist kurz nach 18 Uhr in Mülenen im Berner Oberland. Die Warteschlange vor der Talstation der Niesenbahn reicht bis zum Bahnhof zurück. Geduldig warten Schaulustige darauf, in einen der Wagen mit Platz für rund 50 Personen zu steigen. [RELATED]

Ein Andrang, der sich kaum berechnen lässt

Das Niesen-Team hat sich auf das Naturspektakel vorbereitet. Genügend Mitarbeitende wurden aufgeboten, um den erwarteten Andrang zu bewältigen. Auf der Grundlage der regulären Abendfahrten hat die Niesenbahn den Betrieb für die Sonnenfinsternis mit zusätzlichen Fahrten ausgeweitet. Dennoch überraschte der grosse Andrang das Team. Die begrenzte Transportkapazität der Standseilbahn mit ihren zwei Sektionen wurde zum Nadelöhr.

Das Team informierte die Gäste über die Wartezeit. Diese nahmen es gelassen, nur einige wenige liessen sich das bereits gekaufte Ticket zurückerstatten, um die partielle Sonnenfinsternis anderswo zu beobachten. 

Nach etwas mehr als einer Stunde Wartezeit fuhren die Gäste in den signalroten Standseilbahnwagen zum Gipfel. Pünktlich um 20.15 Uhr kam die letzte Bahn mit Gästen aus dem Tal auf Niesen Kulm an.

Auf dem Gipfel beobachteten die Menschen die Sonnenfinsternis auf Bänken, im Gras und auf Felsen. Sie fotografierten und kommentierten das Geschehen. Kurz nach dem Höhepunkt spazierte ein grosser Teil der Gäste zurück zur Bergstation, wo sich wieder eine Schlange bildete.

«Sowohl beim Anstehen für die Bergfahrt als auch bei der Rückkehr ins Tal herrschte eine aussergewöhnliche Ruhe und Disziplin», bilanziert Nicolas Overney, Leiter Marketing, Verkauf und Events, einen Tag nach dem Naturereignis. Er führt die Stimmung auch auf das gemeinsame Erlebnis zurück, das Menschen verschiedener Generationen verbunden habe. 

Nach Einbruch der Dunkelheit ziehen während der partiellen Sonnenfinsternis Sternschnuppen über den Himmel. In den Wolken über dem Massiv der Blüemlisalp sind Blitze zu beobachten.

Neue Gäste und mediale Aufmerksamkeit

«Für uns als Niesen-Team ist der Anlass ein Erfolg. Viele Menschen haben den Niesen durch dieses Spektakel erstmals entdeckt», sagt Overney. Die Veranstaltung sorgt für mediale Aufmerksamkeit. «20 Minuten» berichtete direkt vom Gipfel. 

Auch der unternehmerische Antrieb war klar: «Wir haben den Anlass aufgegriffen, weil wir es beim letzten Blutmond verpasst hatten, ein entsprechendes Angebot zu machen, und dies im Nachhinein bereut haben», so Overney. Das Besucheraufkommen übertraf die Erwartungen.

Als die letzten Gäste gegen 00.30 Uhr Mülenen erreichen, fährt dort kein Zug mehr. Kurzfristig organisiert die Niesenbahn einen Shuttlebus nach Spiez. Für Overney bleibt vor allem die «positive Energie», die glückliche Gäste auslösen: «Menschen Freude zu bereiten, macht auch uns glücklich und gibt Energie. Genau deshalb arbeiten wir im Tourismus.»

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