Flurin Riedi, auf 1944 Metern fand eine grosse Modenschau der Modemarke Guess statt. Welche touristische Bedeutung hat ein solcher Anlass für Gstaad?

Für die Region bedeutet ein solcher Event vor allem internationale Sichtbarkeit. Gleichzeitig entsteht konkrete Wertschöpfung. Vom Aufbau der Infrastruktur über Logiernächte bis zur Gastronomie oder zu Transportleistungen sind zahlreiche lokale Betriebe involviert. Bei solchen Veranstaltungen arbeiten während mehr als einer Woche viele regionale Dienstleister zusammen. Gerade bei Marken mit grossen Budgets profitiert ein breites Netzwerk von Leistungspartnern in der Destination.[RELATED]

Ein aufwendiger Fashion Event in den Bergen wirft auch Fragen zur Nachhaltigkeit auf. Wie passt das zu Ihrer Strategie?

Wir müssen dazu sagen, dass wir das Fashion-Event von Guess nicht aktiv akquiriert haben. Vielmehr finden uns die Marken. Daher können wir hier auch nur beschränkt Einfluss nehmen geschweige denn, Einfluss nehmen auf die eingesetzten Ressourcen. Diese Events werden grösstenteils privatwirtschaftlich und unabhängig von der lokalen Tourismusorganisation organisiert. Wir können folglich als DMO nicht in allen Bereichen steuernd eingreifen. 

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit trotzdem?

Dort, wo wir Einfluss nehmen können, setzen wir uns klar für nachhaltige Richtlinien ein. Dazu gehören etwa klimafreundliche Anreiseformen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen oder die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern. Ein gutes Beispiel sind unsere etablierten Veranstaltungen wie das Menuhin Festival Gstaad oder das EFG Swiss Open Gstaad. Mit diesen Organisatoren stehen wir im engen Austausch und unterstützen sie bei der Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsmassnahmen. Dazu gehört auch die Förderung des Swisstainable-Programms.

Moncler in St. Moritz, Guess in Gstaad: Welche Rolle spielen Prestige und Markenimage bei der Wahl einer Destination?

Marken wählen Destinationen sehr bewusst aus. Sie suchen Orte, die ihr eigenes Markenbild verstärken. Faktoren wie Prestige, Lifestyle oder mediale Aufmerksamkeit spielen dabei eine Rolle. Als Destination können wir diesen Prozess teilweise beeinflussen, indem wir unsere Positionierung klar kommunizieren. Wenn sich Marken mit den Werten einer Destination identifizieren, entsteht eine natürliche Verbindung.

Welche Entwicklung erwarten Sie künftig?

Die Kommunikation zwischen Destinationen und Marken – und umgekehrt – wird in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen. Dabei sprechen wir längst nicht mehr nur vom alpinen Raum: Vielmehr sucht man gezielt Marken, die ähnliche Zielgruppen ansprechen wie die Destinationen, um diese durch gemeinsame Aktivitäten, Inhalte oder Kampagnen gegenseitig zu erschliessen. Dieses wechselseitige Andocken eröffnet neue Reichweiten, schafft Relevanz und verstärkt die Marktpräsenz nachhaltig. Marken als Multiplikator-Effekt. Dies müssen wir in Zukunft alle noch stärker nutzen. 

Einblick in die Guess-Modeschau

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