Der Schweizer Tourismus dürfte im Sommer 2026 erstmals seit dem Ende der Corona-Pandemie wieder einen Rückgang bei den Logiernächten verzeichnen. Das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitiut BAK Economics erwartet für die Sommersaison 24,9 Millionen Übernachtungen. Das entspricht einem Minus von rund 255'000 Logiernächten oder 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.[RELATED]
Als Hauptgrund nennt das Wirtschaftsforschungsinstitut die Folgen des Iran-Kriegs. Zunächst hätten Luftraumsperrungen den internationalen Reiseverkehr beeinträchtigt. Inzwischen belasteten vor allem höhere Öl- und Kerosinpreise die Nachfrage nach Fernreisen.
Für die Fernmärkte prognostiziert BAK Economics deshalb einen Rückgang um 3,7 Prozent beziehungsweise 246'000 Logiernächte.
Asien besonders betroffen
Am stärksten betroffen seien asiatische Märkte. Vor allem Indien und Südostasien litten unter Einschränkungen im Luftverkehr über Drehkreuze im Nahen Osten. Gleichzeitig seien zahlreiche Länder der Region stark von Energieimporten aus dem Persischen Golf abhängig.
Die Jungfraubahnen und die Titlis Bergbahnen hatten bereits in den vergangenen Wochen Gewinnwarnungen veröffentlicht. Beide Unternehmen begründeten dies unter anderem mit rückläufigen Gästezahlen aus Asien.
Vergleichsweise stabil entwickelt sich laut BAK Economics dagegen China. Gründe dafür seien direkte Flugverbindungen sowie die geringere Abhängigkeit von Flugrouten über den Nahen Osten. Auch aus den USA wird weiterhin leichtes Wachstum erwartet.
Inland stützt die Nachfrage
Stabilisierend wirken gemäss Prognose die Schweizer Gäste sowie teilweise die europäischen Märkte. Höhere Flugpreise und Unsicherheit im internationalen Reiseverkehr könnten dazu führen, dass Reisende vermehrt nähere Ziele wählen.
Für die Nachfrage aus der Schweiz erwartet BAK Economics ein Plus von 0,5 Prozent beziehungsweise 58'000 Logiernächten. Bei europäischen Gästen rechnet das Institut hingegen mit einem leichten Rückgang. Als Grund nennt BAK Economics unter anderem den starken Sommer 2025 mit mehreren Grossveranstaltungen.
Schweiz bleibt im Alpenraum führend
Gleichzeitig präsentierte BAK Economics einen neuen Wettbewerbsindex für Tourismusdestinationen im Alpenraum. Die Schweiz belegt dabei die Spitzenplätze und stellt neun der zehn besten Destinationen.
Das Bild sei jedoch nicht überall gleich positiv. Vor allem kleinere Destinationen hätten laut Analyse weiterhin Aufholbedarf. Als Schwächen nennt BAK Economics unter anderem die vergleichsweise kurze Aufenthaltsdauer der Gäste. (keystone-sda)