60 Prozent der Bevölkerung in der Jungfrau Region stehen dem Tourismus in ihrer Gemeinde grundsätzlich positiv gegenüber. Das zeigt eine Befragung von Jungfrau Region Tourismus, Schweiz Tourismus und dem Forschungsinstitut Innofact AG. Zwischen März und Mai nahmen 1519 Personen aus Grindelwald, Lauterbrunnen, Wengen, Mürren und dem Haslital an der Online-Umfrage teil. [RELATED]

48 Prozent bewerten die Auswirkungen des Tourismus auf ihren Wohnort als eher oder überwiegend positiv. Damit liegt die Region über dem Schweizer Durchschnitt der Bergregionen. Besonders deutlich zeigt sich die wirtschaftliche Bedeutung: 86 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass lokale Betriebe dank des Tourismus zusätzliche Umsätze und Wertschöpfung erzielen.

Verkehr und Wohnkosten im Fokus
Trotz der positiven Grundhaltung werden die Folgen des Tourismus kritisch beurteilt. 87 Prozent sehen Infrastruktur und Verkehr durch den Tourismus belastet. 84 Prozent nennen steigende Miet- und Immobilienpreise als Problem für die lokale Bevölkerung.

Diese beiden Themen gelten als zentrale Herausforderungen für die weitere Akzeptanz des Tourismus in der Region.

Ganzjahrestourismus als Chance
Die Zahl der Gäste wird je nach Jahreszeit unterschiedlich wahrgenommen. Im Sommer empfinden 73 Prozent der Befragten die Besucherzahlen als zu hoch. Im Winter sinkt dieser Wert auf 45 Prozent, im Frühling auf 24 Prozent.

«Das bestätigt, dass die Strategie des Ganzjahrestourismus richtig und prioritär bleibt», sagt Marc Ungerer, Geschäftsführer von Jungfrau Region Tourismus. Eine bessere Verteilung der Gäste über das Jahr liege im Interesse von Einheimischen und Gästen.

Bereitschaft zur Mitgestaltung
87 Prozent der Befragten unterstützen Massnahmen für ein respektvolles Miteinander von Gästen und Einheimischen. Laut Ungerer sei die Bereitschaft zur Mitgestaltung gross. Gemeinsam mit Gemeinden, Bergbahnen und Erlebnisanbietern sollen nun koordinierte Massnahmen erarbeitet werden.

Unterschiede innerhalb der Region
Die Umfrage zeigt auch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Destinationen. Am kritischsten wird der Tourismus im Lauterbrunnental beurteilt. Dort bewertet eine knappe Mehrheit die Auswirkungen als eher negativ oder negativ. Dennoch unterstützen 84 Prozent Massnahmen für ein besseres Miteinander.

Am positivsten fällt die Einschätzung im Haslital aus. Dort stehen rund zwei Drittel der Befragten dem Tourismus positiv gegenüber. (mm)