Der Schweizer Heimatschutz zeichnet Brig-Glis mit dem Wakkerpreis 2026 aus. Die Stadtgemeinde im Oberwallis stehe beispielhaft für eine Baukultur, die Geschichte bewahrt und zugleich auf heutige gesellschaftliche und klimatische Anforderungen reagiert, heisst es in der Medienmitteilung vom Donnerstag.

Vom Handelsplatz zum Verkehrsknoten
Aufgrund seiner Lage im oberen Rhonetal am Fuss des Simplonpasses war Brig-Glis bereits im Mittelalter ein wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Im 17. Jahrhundert prägte der Unternehmer und Politiker Kaspar Stockalper die Entwicklung des Ortes. Mit dem Stockalperpalast schuf er ein bis heute prägendes Bauwerk und förderte Bildungs-, Gesundheits- und Sozialinstitutionen.

Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich Brig durch den Ausbau von Bahn- und Tunnelinfrastrukturen zu einem Bahnknotenpunkt und zu einer bedeutenden Zollstation. Religiöse Einrichtungen, die lange gesellschaftliche Aufgaben erfüllten, werden heute weitergenutzt. Als Beispiel nennt der Heimatschutz die Umnutzung des Marienheims zu einem Gästehaus und Heim für Geflüchtete, getragen von der Tradition der Ursulinen.

Baukultur als Antwort auf Wandel und Klima
Weitere Projekte wie das Schlösschen Mattini, das Gemeinschaftshaus St. Ursula oder der Bildungshügel auf dem Areal des Kollegiums Spiritus Sanctus zeigten, wie Baukultur für Bildung, Integration und gesellschaftliche Entwicklung eingesetzt werde.

Nach dem schweren Unwetter von 1993 verband Brig-Glis technische Schutzmassnahmen mit der Restaurierung der Altstadt. Der Sebastiansplatz wurde seither als Fussgängerzone gestaltet. Auch klimatische Anpassungen spielen eine Rolle. Baumalleen verbessern das Mikroklima, ein Bauminventar sichert den Bestand und Biodiversitätsflächen fördern die Artenvielfalt.(keystone-sda)

Über den Wakkerpreis
Der Wakkerpreis wird seit 1972 jährlich vergeben und ist mit 20'000 Franken dotiert. Ermöglicht wurde er durch ein Vermächtnis des Genfer Geschäftsmannes Henri-Louis Wakker.