Die eigens gegründete Stiftung Hotel Claims Alliance hat die Unterlagen der teilnehmenden Beherbergungsbetriebe beim zuständigen Bezirksgericht in Amsterdam eingereicht.
Damit ist das gerichtliche Verfahren gegen Booking.com formell eröffnet. Koordiniert wird die Sammelklage durch den europäischen Gastgewerbe-Dachverband Hotrec, der diese im Mai 2025 lanciert hatte.
In der Schweiz informierten die Branchenverbände HotellerieSuisse und GastroSuisse ihre Mitglieder frühzeitig über die Möglichkeit einer Teilnahme. Der Zuspruch fiel hoch.
«Die hohe Anzahl teilnehmender Betriebe zeigt, wie gross der Unmut über die Marktbedingungen im Online-Buchungsmarkt ist.»
Christian Hürlimann, Direktor von HotellerieSuisse
Mehrere tausend Betriebe aus ganz Europa reichten ihre Unterlagen ein, darunter auch einige hundert aus der Schweiz. «Die hohe Anzahl teilnehmender Betriebe zeigt, wie gross der Unmut über die Marktbedingungen im Online-Buchungsmarkt ist», sagt Christian Hürlimann.
Paritätsklauseln im Fokus
Im Zentrum der Sammelklage steht die jahrelange Verwendung sogenannter Paritätsklauseln. Diese untersagten es Beherbergungsbetrieben, Zimmer auf anderen Vertriebskanälen, einschliesslich der eigenen Website, zu günstigeren Konditionen anzubieten als auf Booking.com.
Die Praxis gilt heute als wettbewerbswidrig und ist in der Schweiz seit 2022 gesetzlich verboten. Auch zahlreiche weitere europäische Länder kennen entsprechende gesetzliche Regelungen.
Zusätzlichen Rückenwind erhält das Verfahren durch ein Urteil des Landgerichts Berlin. Das Gericht verurteilte Booking.com im Dezember zu Schadenersatz gegenüber deutschen Hotels und stellte fest, dass die Paritätsklauseln gegen das EU-Kartellrecht verstossen. Branchenvertreter werten das Urteil als Signalwirkung für das nun laufende europaweite Verfahren.
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Direktbuchungen als strategischer Hebel
Direktbuchungen gelten für Beherbergungsbetriebe als wichtiger Ansatz, um Vertriebskosten zu senken und den direkten Kontakt mit den Gästen zu stärken. Die Branchenverbände HotellerieSuisse und GastroSuisse unterstützen ihre Mitglieder dabei mit praxisnahen Merkblättern und Informationen zu den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig rufen sie die Betriebe dazu auf, allfällige Verstösse durch Buchungsplattformen konsequent zu melden, um faire Wettbewerbsbedingungen langfristig zu sichern. (mm)