Mit der Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 setzt die Schweiz ein sportpolitisches Signal. Zugleich ist es ein Test für den Tourismusstandort Schweiz. Für den Tourismus eröffnet sich damit eine internationale Sichtbarkeit, die unter normalen Marktbedingungen kaum zu erreichen wäre.
Wie lässt sich diese in nachhaltige Nachfrage übersetzen? Welche Anforderungen stellt das an Ereignisse von nationaler oder internationaler Bedeutung? Erstmals steht nicht eine einzelne Stadt im Zentrum, sondern ein dezentrales, föderales Konzept mit bestehenden Infrastrukturen in allen Landesteilen. Die Einladung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in den exklusiven «Privileged Dialogue» verschafft der Schweiz Planungssicherheit bis Ende 2027. Im Gegenzug erwartet das IOC verbindliche politische, finanzielle und gesellschaftliche Zusagen.
Olympia als Positionierungsfaktor
«Grossanlässe wie die Olympischen Spiele sind aus touristischer Sicht grundsätzlich zu begrüssen – vorausgesetzt, sie werden nachhaltig umgesetzt», sagt Philipp Niederberger, Direktor des Schweizer Tourismus-Verbands (STV). Eine Kandidatur biete die Chance, die Schweiz «als innovativen, qualitativ hochstehenden und verantwortungsvoll handelnden Tourismusstandort zu positionieren». Die Spiele wirkten wiederum langfristig auf Standortmarketing und Angebotsentwicklung.
Grossanlässe wie die Olympischen Spiele sind aus touristischer Sicht grundsätzlich zu begrüssen – vorausgesetzt, sie werden nachhaltig umgesetzt.
Philipp Niederberger, Direktor
Auch HotellerieSuisse sieht strategisches Potenzial. «Die Olympiakandidatur verbindet kurzfristige Nachfrageeffekte mit der Möglichkeit, die Schweiz langfristig international zu positionieren», sagt Verbandspräsident Martin von Moos. Die Erfahrung mit internationalen Events wie der Uefa Women’s Euro oder dem Eurovision Song Contest zeige, dass die Schweiz über die nötige Professionalität verfüge
Dezentralität als touristischer Hebel
Ein wesentliches Element der Kandidatur ist dabei der dezentrale Ansatz. «Dezentralität ist für eine nachhaltige Umsetzung der Olympischen Spiele in der Schweiz ein wichtiger Erfolgsfaktor», sagt Niederberger. Statt wenige Zentren zu überlasten, würden Wettkämpfe auf mehrere Regionen verteilt.
So könnten Besucherströme gelenkt, saisonale Schwankungen abgefedert und weniger bekannte Destinationen stärker positioniert werden. Voraussetzung dafür sei jedoch eine enge Abstimmung zwischen Veranstaltern, Destinationen und touristischen Leistungsträgern sowie eine begleitende Kommunikationsstrategie, «welche die Vielfalt der Schweiz sichtbar macht und zusätzliche Aufenthalte vor oder nach den Wettkämpfen fördert».
Akzeptanz als Erfolgsfaktor
Nachhaltiger Nutzen muss geplant werden. Entscheidend ist dabei die Akzeptanz in der Bevölkerung. «Die Akzeptanz und die aktive Unterstützung der Bevölkerung sind unabdingbar für Olympische Spiele in der Schweiz», betont Niederberger. Nur wenn die Bedürfnisse und Erwartungen der lokalen Bevölkerung ernst genommen würden, könne ein solcher Anlass einen nachhaltigen Mehrwert für die Austragungsregionen und das ganze Land schaffen.
Die Akzeptanz und die aktive Unterstützung der Bevölkerung sind unabdingbar für Olympische Spiele in der Schweiz.
Philipp Niederberger, Direktor Schweizer Tourismus-Verband
Vertrauen entstehe insbesondere durch transparente Kommunikation, eine frühzeitige Einbindung der betroffenen Regionen und realistische Zielsetzungen. «Ein wirkungsvolles und glaubwürdiges Legacy-Konzept sollte bereits in einer frühen Planungsphase erarbeitet werden», sagt Niederberger. Zwingend einzubeziehen seien dabei die Regionen und die relevanten Wirtschaftszweige, «insbesondere auch der Tourismussektor mit seinen Leistungsträgern». So lasse sich aufzeigen, wie Olympische Spiele langfristig zur regionalen Entwicklung beitrügen und konkrete Vorteile für Bevölkerung, Regionen und Betriebe schafften.
Verbände, Destinationen und Leistungsträger sieht Niederberger in einer aktiven Rolle. Sie seien «Vermittler, Mitgestalter und Umsetzungspartner». Die Planung müsse sich an regionalen Besonderheiten, bestehenden Angeboten und saisonalen Gästeströmen orientieren. Nur so könne eine nachhaltige Entwicklung gefördert werden, von der Betriebe und Regionen über den Anlass hinaus profitierten.
