Mit rund 80 Hotels und 14 Marken ist Accor die grösste Hotelgruppe der Schweiz. Die Geschäftsführer von Accor Schweiz, Jochen Renz, Vice President Operations Managed Hotels DACH, und Sabrina Westphälinger, Vice President People & Culture DACH & Premium ENA, sprechen über die wirtschaftliche Rolle des Standorts, Wachstumsperspektiven in den einzelnen Segmenten, die Bedeutung des Luxusbereichs sowie zentrale Herausforderungen von Kostensteuerung bis Fachkräftemangel.
Accor ist neu Presenting Partner des Hospitality Summit
Als wichtigste Networking-Plattform der Schweizer Hotellerie bringt der Hospitality Summit Menschen, Ideen und Perspektiven zusammen. Als neuer Presenting Partner schafft Accor Nähe zur lokalen Hotellerie, teilt sein Know-how, fördert den offenen Austausch und setzt Impulse für gemeinsame Lösungen.
Ein besonderer Fokus gilt dem Nachwuchs: Accor engagiert sich dafür, wichtige Themen wie Fach- und Nachwuchskräfte gemeinschaftlich anzugehen. Mit einem gezielten Engagement am Career Day unterstützt das Unternehmen zudem die nächste Generation von Fachkräften. International ausgerichtet und zugleich lokal eng verbunden.
Wie wirkt sich Accors Marktführerschaft in der Schweiz auf Ihre wirtschaftlichen Ziele aus?
Jochen Renz: Unser Fokus liegt auf nachhaltigem Wachstum mit starken Marken, den richtigen Standorten und lokaler Nähe. Langfristig sehen wir uns mit 100 Hotels am Markt. Dabei sind unsere Stärken die Positionierung und die Verlässlichkeit unserer weltbekannten Marken, während wir gleichzeitig lokale Adaptionen und massgeschneiderte Lösungen bieten. In den vergangenen Jahren haben wir insbesondere unsere Kernmarken Ibis und Mercure in den Segmenten Economy, Midscale und Premium ausgebaut. Gleichzeitig sehen wir grosses Potenzial für Conversion- und Collection-Brands wie die Handwritten Collection – sowohl in urbanen als auch in Leisure-Destinationen. Ausserdem arbeiten wir konstant am bestehenden Netzwerk mit umfassenden Renovierungen wie beim Novotel Zürich Airport Messe.
Ist die Schweiz für Accor eher Ertrags-, Entwicklungs- oder Markenstandort?
Sabrina Westphälinger: Sowohl als auch. Der Schweizer Markt ist bei Schweizern und internationalen Gästen sehr gefragt und für uns mit 80 Hotels im Land ein starker Ertragsstandort. Mit ihrer wirtschaftlichen Stärke, ihrer Innovationskraft und dem Renommee als Tourismusdestination wird die Schweiz weiterhin vom globalen Wachstum der Reisebranche profitieren, daher sehen wir sie auch als zentralen Entwicklungsstandort in Europa.
Wo sehen Sie derzeit die stärksten Ertragstreiber in der Schweiz: Business Travel, Leisure, MICE oder Long Stay?
Jochen Renz: Wir erwarten eine stabile Nachfrage und ein sanftes Wachstum für 2026, positiv beeinflusst durch Veranstaltungen und Grossevents wie die Eishockey-WM, die Index und die Watches and Wonders. Mittelfristig wird sich der Trend zur Ganzjahres-Leisure-Destination fortsetzen, wobei wir neben einem gesunden Wachstum in unserer Heimatregion Europa auch eine starke Nachfrage aus Asien erwarten. Aber auch Segmente wie Business Travel und MICE bleiben im Fokus, wobei es hier regionale Unterschiede gibt.
Der Premiumbereich ist ein Wachstumstreiber in der Schweiz.
Sabrina Westphälinger, Geschäftsführerin Accor Schweiz
Wie robust ist die Nachfrage angesichts der geopolitischen Unsicherheiten?
Jochen Renz: Mit fast 60 Jahren Erfahrung, einem starken Businessmodell und einem globalen Netzwerk von mehr als 45 Marken und 5700 Hotels ist Accor sehr gut aufgestellt und kann entsprechend agil reagieren. Die Schweiz gilt weiterhin als verlässliche und attraktive Reisedestination, auch über Europa hinaus, sodass geopolitische Herausforderungen in einem Markt durch die Nachfrage aus anderen Regionen ausgeglichen werden können.
In welchen Segmenten und Marken sehen Sie für die Schweiz aktuell das grösste Potenzial?
Sabrina Westphälinger: Die Schweiz ist traditionell von der Individualhotellerie geprägt, was mit dem Wechsel der Generationen oft zur Frage der Nachfolge führt. Einzelbetriebe müssen mit Herausforderungen wie gestiegenen Kosten im Hotelbetrieb und Sichtbarkeit im Markt umgehen. Gleichzeitig wünschen sich Gäste in allen Segmenten ein individualisiertes Hotelerlebnis. Auf beides zahlen Conversion- und Collection-Marken wie Ibis Styles oder die Handwritten Collection ein, bei denen Hoteliers flexibel bleiben und gleichzeitig die Accor-Infrastruktur, von Procurement bis zu unseren Sales-, Marketing-, Distributions- und Loyalty-Kanälen, nutzen können. Darüber hinaus sind insbesondere bei internationalen Gästen unsere etablierten Marken wie Ibis und Novotel, aber auch Premiummarken wie Pullman und Mövenpick gefragt.
Welche wirtschaftliche Bedeutung hat das Luxussegment in der Schweiz für Accor?
Sabrina Westphälinger: Accor ist in der Schweiz mit Marken wie Fairmont und MGallery im Luxussegment gut positioniert, wobei wir unseren Qualitäts- und Serviceanspruch mit umfassenden Renovierungen wie jüngst im «Fairmont Le Montreux Palace» klar herausstellen. Wir sehen, dass der Schweizer Hospitality-Markt über alle Segmente wächst, wobei der Premiumbereich ein Treiber ist. Teils geht man sogar von einem jährlichen Wachstum von 8 Prozent bis 2030 aus.
Wir sehen uns langfristig mit 100 Hotels am Schweizer Markt.
Jochen Renz, Geschäftsführer Accor Schweiz
Wann lohnt sich für Accor in der Schweiz eher ein von Accor geführtes Hotel – und wann ein Franchise- oder Partnermodell?
Jochen Renz: Die Wahl des Betreibermodells hängt vom jeweiligen Partner und den Spezifika des Projekts ab. Wir fokussieren uns auf nachhaltiges, langfristiges Wachstum, indem wir für jedes Hotel individuell das Betreibermodell und die Marke definieren. Franchise-Modelle machen heute rund 60 Prozent unseres Netzwerks aus und bieten Eigentümern hohe Flexibilität. Im Rahmen von Management-Agreements können wir ein Full-Service-Paket für Eigentümer schnüren, und dieser ist aktiv am Gewinn beteiligt.
Gibt es regional oder nach Kategorien Unterschiede bei Preis- oder Nachfragesensibilität?
Sabrina Westphälinger: Wir haben in den vergangenen Jahren mitunter eine teils überfällige Anpassung der Raten erlebt, die den Wert und die Leistung des Gastgewerbes widerspiegelt und die durch die gestiegene Reiselust der Menschen getragen wurde. Gleichzeitig haben jedoch weitere Faktoren wie die Inflation zu einer zusätzlichen Preissteigerung beigetragen. Wir sehen zwar einen weiterhin sehr positiven Entwicklungstrend für die Reiseindustrie, es gilt nun jedoch auch, die Raten zu stabilisieren.
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Wo liegen aus Ihrer Sicht aktuell die wichtigsten Hebel für Produktivität und Kostensteuerung?
Jochen Renz: Für uns liegen die wichtigsten Aktionspunkte im operativen Betrieb und im Procurement. Es gilt, Abläufe so effizient wie möglich zu gestalten, um Ressourcen und damit letzten Endes Kosten zu sparen. Hier können digitale Tools und KI-basierte Lösungen unsere Teams unterstützen, etwa beim Revenue Management oder bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Jüngst haben wir auch die Integration der «ALL Accor»-App in Chat-GPT angekündigt, durch die wir Direktbuchungen weiter forcieren und damit Kommissionsgebühren für unsere Hotels senken können. Zum anderen trägt smartes Procurement sowohl direkt als auch indirekt zu einer Kostensteuerung bei: durch Ersparnisse beim Einkauf selbst und durch die Verwendung der Produkte. So konnte unser Procurement-Team durch die Implementierung wassersparender Duschköpfe zum Beispiel eine Einsparung von über einer Million Euro erzielen.
Wo hat der Fachkräftemangel in der Schweiz die grössten wirtschaftlichen Auswirkungen, und welche Massnahmen wirken?
Sabrina Westphälinger: Zwar ist auch die Schweiz vom Fachkräftemangel betroffen, im internationalen Vergleich zeigt sich die Situation jedoch weniger ausgeprägt und zuletzt etwas entspannter. Wir müssen jedoch weiter aktiv und zukunftsgerichtet denken. Wir setzen daher bei der Gewinnung junger und neuer Talente an, aber auch bei der Förderung bestehender Mitarbeitender über alle Level hinweg. Entscheidend ist für uns eine klare Arbeitgeberpositionierung, kombiniert mit individueller Begleitung auf Augenhöhe, attraktiven Corporate Benefits und internationalen Entwicklungsmöglichkeiten.
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