Martin von Moos: 43,9 Millionen Logiernächte im Jahr 2025. Das ist ein grosser Erfolg, gleichzeitig stehen die Margen unter Druck. Wie gesund ist die Schweizer Beherbergungsbranche?
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Branche gesund ist. Die guten Logiernächte helfen sicher. Gleichzeitig müssen die Betriebe darauf achten, dass sich das gute Resultat bei den Logiernächten auch im Betriebsresultat widerspiegelt. Und wir verzeichnen durchaus saisonale und regionale Unterschiede. [RELATED]

Wo genau verlieren Betriebe Geld?
Der grösste Kostenpunkt sind die Personalkosten. Innerhalb der Betriebe muss jeder Einzelne seine Personalkosten selbst im Griff haben. Mit dem L-GAV versuchen wir auf Verbandsebene, mehr Flexibilität zu ermöglichen und gleichzeitig Weiterbildung sowie Ausbildung zu stärken

Wenn Dienstleistung und Qualität steigen, soll auch der Preis steigen. 

Martin von Moos, Präsident von HotellerieSuisse

Wie viel Preiserhöhung verträgt es noch?
Es gibt keine Grenze bei Preiserhöhungen. Der Hotelier ist Unternehmer und muss seine Preisgestaltung anhand der Marktsituation steuern. Wenn Dienstleistung und Qualität steigen, soll auch der Preis steigen. 

Wo liegen die Grenzen bei der Preisgestaltung?
Wir stehen als Hochpreisnation mit starkem Franken und angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung unter Druck. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, die Preise mit Augenmass und sensibel anzupassen, damit die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. 

Die Auslastung liegt bei 51,1 Prozent. Das heisst: Jedes zweite Bett bleibt leer. Welche Schlüsse muss man daraus ziehen?
Das ist auch eine Frage der geografischen und saisonalen Verteilung. Hier können wir uns noch verbessern können. Ich denke nicht, dass wir zu viele Hotels haben. Vielmehr müssen wir die steigende Nachfrage besser verteilen. Es gibt gute Möglichkeiten und Ansätze – innerhalb der Branche, aber auch in den Destinationen. Stichwort Saisonverlängerung. Was mich speziell freut: Auch in Regionen abseits der bekannten Destinationen entstehen neue Produkte. Das Appenzeller Huus ist nur eines von vielen Beispielen. Solche Angebote helfen, Touristenströme in weniger bekannte Regionen zu lenken und die Belegung in den Betrieben zu steigern.

Die Zahlen zeigen: Die Auslastung in den Städten wächst stärker als in Berg- und Landregionen. Zeichnet sich eine Stadt-Land-Schere ab?
Ich würde nicht von einer Schere sprechen. Gewisse Gegebenheiten können wir nicht ausblenden. Wintersportorte haben im Winter naturgemäss eine höhere Auslastung als im Frühling oder Herbst. Gleichzeitig lassen sich, wie gesagt, mit Saisonverlängerung und neuen Produkten die Unterschiede etwas abflachen. Wenn man die Zahlen genauer anschaut, sieht man sogar, dass die Schere bereits etwas kleiner geworden ist. Das zeigt: Erste Massnahmen greifen.

Sie betonen die Bedeutung offener Beziehungen zu Europa: Wie gross wäre der Schaden für die Hotellerie, falls der Zugang zu Fachkräften eingeschränkt würde?
Das wäre für die Branche ein riesiger Rückschritt. Wir hätten grosse Probleme. Es würde uns in Zeiten der Kontingente und Arbeitsbewilligungen zurückführen – ein Szenario, das für uns nicht vorstellbar ist. HotellerieSuisse bekämpft aus diesem Grund die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Gleichzeitig ist es wichtig, den inländischen Arbeitsmarkt aktiv zu bearbeiten. Unsere Priorität ist es nach wie vor, das inländische Potenzial auszuschöpfen. Aber ohne ausländische Arbeitskräfte wird es nicht gehen.

Der Fachkräftemangel ist weiterhin ein grosses Thema – wie akut ist er noch?
Im Sorgenbarometer von HotellerieSuisse steht der Fachkräftemangel immer noch an oberster Stelle. Gleichzeitig gibt es aus den Regionen deutliche Hinweise, dass sich die Situation teilweise entspannt. Es handelt sich heute stärker um einen Fachkräftemangel als um einen generellen Arbeitskräftemangel. Gute Fachkräfte zu finden bleibt schwierig. Arbeitskräfte hingegen findet man eher. Die Herausforderung für die Betriebe besteht darin, vorhandene Mitarbeitende gezielt aufzubauen und zu qualifizieren.

Die Bilanz zeigt auch: 76 Prozent der Logiernächte 2025 entfallen auf HotellerieSuisse-Mitgliederbetriebe. Mit welchem Gefühl nehmen Sie diese Zahl zur Kenntnis?
Das ist eine erfreuliche Zahl. In der Statistik sieht man auch, dass klassifizierte Betriebe eine höhere Auslastung haben als nicht klassifizierte. HotellerieSuisse verzeichnet weiterhin stabile Mitgliederzahlen. Das zeigt: Die Branche vertraut auf unsere Dienstleistungen und zählt auf unsere Unterstützung.