Diesen Herbst kam das Aus für das Hotel Basel. Das traditionsreiche 4-Sterne-Hotel in der gleichnamigen Stadt am Rhein schloss seine Türen per Ende September. 40 Mitarbeitende verloren ihren Job.

Die Betriebsgesellschaft Hotel Basel AG begründet den Konkurs in einer Medienmitteilung mit einer unglücklichen Kombination von Umständen: tiefere Zimmerauslastung bei hart umkämpften Preisen, weniger Business-Reisende und ausbleibende Messeaktivitäten, dies bei steigenden Kosten.

Ferienhotellerie hat sich «weit besser aufgerappelt»
Für Hotellerie-Unternehmens­berater Sebastian Wetzler hat sich die Konkurrenzsituation in vielen grösseren Städten in der Tat verschärft. «Seit 2010 stieg dort die Zahl der verfügbaren Zimmer kontinuierlich an», sagt er. «Dann kam Corona. Seither halten sich die Unternehmen bei Geschäftsreisen stärker zurück. Die Ferienhotellerie hat sich seit der Pandemie weit besser aufgerappelt.»

Doch es gibt auch Hotels, die rechtzeitig reagierten und sich mit einer Neupositionierung für die veränderten Marktverhältnisse fit machten. So etwa das Best Western Plus Hotel in Bern. «Wir haben uns sehr gut überlegt, in welche Richtung es gehen soll und welche Schwerpunkte wir setzen. Wir haben sehr viel Wert auf die Gestaltung der Zimmer gelegt und darauf geachtet, dass sie einen guten Wohlfühlcharakter haben», sagt Gastgeber Daniel Siegenthaler. Die Idee: Business-Gäste sollen sich im Hotel wie in den Ferien fühlen. «Auch Business-Gäste schauen heute zunehmend auf die Freizeitmöglichkeiten», so Siegenthaler.

Freizeit-Feeling für Business-Gäste
Die neue Ausrichtung beinhaltet auch, dass das Hotel fortan im Auftritt nach aussen nur noch Bilder verwendet, die mit Freizeit zu tun haben. «Wir zeigen auf der Website auf den ersten Blick keine Seminarräume.»

Noch vor ein paar Jahren, vor Siegenthalers Zeit als Geschäftsführer, war die Ausgangslage prekär: 2011 betrugen die Schulden 15 bis 16 Millionen Franken. «Der Betrieb hat damals zu wenig amortisiert und zu wenig investiert. Dadurch sank die Wettbewerbsfähigkeit und dadurch auch das Rating bei den Banken», erläutert Siegenthaler.

Allerdings schaffte der Betrieb gerade noch den Turnaround. Laut dem Gastgeber war man zuvor zu breit aufgestellt gewesen. Man reduzierte in der Folge den Bankettbereich, um sich stärker auf Business-Reisende, Seminare und Tagungen zu konzentrieren. Ausserdem wurde das Gourmet-Restaurant geschlossen. 2015 übernahm Siegen­thaler die Geschäftsführung. In den nächsten Jahren erfolgten Planung und Umsetzung der Sanierung des gesamten Hotels, welche die Renovation der Zimmer, die Neugestaltung der Tagungsetage, des Lobbybereichs und die Erneuerung der Haustechnik umfasste.

Auch Business-Gäste schauen heute auf die Freizeit­möglichkeiten.
Daniel Siegenthaler, Geschäftsführer Best Western Plus Hotel Bern

Gesamthaft erhöhte sich die Zimmerzahl von 99 auf 116, was die Rentabilität verbesserte. Anfang 2020 waren die Umbauten abgeschlossen. Damit erhielt das Hotel auch die Rooftop-Bar mit Terrasse. «Früher war dort ein Kieselsteindach mit Lüftungsrohren. Die Aussicht über die Dächer von Bern ist toll. Wir hatten die Idee, dass man dies nutzen könnte.»

Beim Umbau sei es auch darum gegangen, die Innenarchitektur zu verbinden. «Die verschiedenen Bereiche waren zuvor nicht stimmig.» Mit wiederkehrenden Formelementen sei es gelungen, einen roten Faden hineinzubringen. Natürlich habe der Umbau einiges gekostet: 35 Millionen Franken habe man investiert. Durch gutes Management sei es gelungen, die Altlasten abzubauen und bis 2017 schuldenfrei zu werden. Geldgeberin war nebst drei Banken auch die Stiftung Unia.

Positive Entwicklung, aber auch negative Trends
Siegenthaler sieht die Entwicklung in den Städten insgesamt positiv: «In den letzten 20, 25 Jahren hat der Städtetourismus immer mehr zugenommen. Die jüngere Generation verbringt nicht mehr drei Wochen am Stück am Strand. Stattdessen suchen sie Erlebnisse, etwa auf Städtetrips – sie gehen ins Theater, an ein Konzert, ins Museum, an einen Match.» Allerdings gehe die Entwicklung auch weg vom Essen im Hotel. Die Gäste essen meist woanders, nur etwa zehn Prozent der Hotelgäste essen im eigenen Restaurant Volkshaus.»

Auch wenn sich in vielen Städten ähnliche Entwicklungen zeigen, sieht Siegenthaler auch negative Trends im Städtetourismus, so zum Beispiel in Basel, wo künftig mit Rückgängen der Messen zu rechnen ist.

Hotel Basel: Mit Sanierung 2018 up to date
In Basel habe es nach der Pandemie einen Hotelzimmerzuwachs von rund 460 Zimmern gegeben, sagt Esther Brühwiler, die langjährige Geschäftsführerin des Hotel Basel. Dies habe zu tieferen Zimmerpreisen geführt. Laut Brühwiler erwies sich unter anderem auch die Eigenständigkeit des Hotels als Nachteil. Die übrigen 4-Sterne-Hotels in Basel gehörten alle zu einer Hotelgruppe beziehungsweise zu einer internationalen Hotelkette. «Als einziges 4-Sterne-Hotel mit Gastronomie hatte das Hotel Basel keine Möglichkeit, beispielsweise durch Synergieeffekte oder Quersubventionierungen Kosten zu senken oder aufzufangen.»

Im Jahr 2018 seien alle Hotelzimmer neu gestaltet worden. «Diesbezüglich war das Hotel Basel sicher up to date. Es hätte sich aber im Bereich der Haustechnik, der Leitungsinstallationen, der Hotellobby und insbesondere in der Gastronomie weiterer Investitionsbedarf ergeben.» 

Das Hotel hatte keine Möglichkeit, Kosten zu senken oder aufzufangen.
Esther Brühwiler, Geschäftsführerin Hotel Basel

War für das Hotel Basel eine Neupositionierung ein Thema? Brühwiler teilt auf Anfrage mit: «In Anbetracht des ohnehin per Ende September 2024 auslaufenden Vertrags zwischen der Hotel Basel AG und der Vermieterin sowie der im 2018 erfolgten Renovierung aller Zimmer war eine Neupositionierung oder Umstrukturierung nicht mehr angedacht. Interne Umstrukturierungen und Anpassungen wurden laufend umgesetzt. Bei einem Weiterbetrieb über 2024 hinaus hätte sich die Betreiberin, zusammen mit der Besitzerschaft, damit befassen müssen.»

Nach der Schliessung des Hotels braucht Brühwiler zunächst eine kleine Pause. «Nach fast 30 Jahren als Gastgeberin im Hotel Basel und nach solch einem abrupten und tragischen Ende muss ich erst etwas Abstand gewinnen. Deshalb gönne ich mir zunächst eine kleine Auszeit, danach bin ich offen für neue Perspektiven.»

Laut einem Medienbericht will die Inhaberfirma Gold Tree Asset Management AG die Liegenschaft auch künftig als Hotel betreiben. Genaueres zur Nachfolge soll im ersten Quartal 2024 bekannt gegeben werden. 


Nachgefragt bei Sebastian Wetzler

Manches Stadthotel kämpft mit tieferer Auslastung wegen ausbleibenden Seminaren und Messen, tieferen Zimmerpreisen und steigenden Kosten. Wie verhindert man als Hotelbetrieb, dass man in eine Negativspirale kommt?
Das Problem besteht in allen grösseren Städten. Die Zahl der verfügbaren Zimmer stieg in den letzten Jahren kontinuierlich. Es herrscht ein Verdrängungswettbewerb. Mit Corona sind die Geschäftsreisen zurückgegangen. Hotels müssen ihr Geschäftsmodell anpassen. [IMG 2]

Und wie?
Da gibt es verschiedene Ansätze. Hotels müssen sich überlegen, wie sie ihre Kapazitäten besser nutzen. Beispiel Frühstücksraum: Der wird zwischen sieben und zehn Uhr genutzt, danach liegt der Raum brach. Auch Bankettküchen sind Räume, die tendenziell schlecht ausgelastet sind. Hotels könnten solche Räume an Essenslieferdienste untervermieten. Das Hotel Ruby in Genf setzt dies um: Dass alle Flächen den gesamten Tag über genutzt werden, gehört zum Konzept.

Woran liegt es, dass den einen Betrieben der Atem ausgeht? Den Konkurrenzdruck spüren ja alle.
Oftmals sind die Gründe dafür sehr individuell. Grundsätzlich gilt, dass Kettenbetriebe bessere Möglichkeiten haben, höhere Kosten und tiefere Einnahmen aufzufangen. Ein Hotel, das in eine Abwärtsspirale und in einen Investitionsstau gerät, wird unattraktiv. Es drängen Hotels mit modernen Konzepten auf den Markt. Diese sind für Gäste attraktiv und sie sparen Kosten durch Digitalisierung. 

Wie reagieren Stadthotels am besten darauf, dass sich das Seminargeschäft vielleicht nie mehr richtig erholen wird?
Sie können neue Zielgruppen ansprechen. Sie können zum Beispiel die Schwellenangst der Einheimischen abbauen. Die Einheimischen in den Quartieren sind selten in Hotelbars und Restaurants. Hotels beginnen sich zu öffnen, zum Beispiel mit Kulturangeboten, Jazz, Poetry Slams, Konzerten. Hotels können sich auch mit Spa- und Gym-Angeboten an die Bevölkerung in der Stadt richten.

Wie kann ein Stadthotel mit klarem Konzept und einer klaren Strategie erfolgreich sein?
Die Ruby Hotels wählen ihren Standort stets in der Innenstadt. Sie benötigen nur sehr wenig Personal. Reservation, Buchung, Check-in und Administration sind automatisiert und zentralisiert.

Was können bestehende Hotels an einem gegebenen Standort machen, mit begrenzenten Investitionsmöglichkeiten?
Die Tante Alma Hotels in Spanien versuchen, die Schwäche ihrer angejahrten Infrastruktur in eine Stärke zu verwandeln. Sie machen bewusst auf alt, mit Häkeldecken und alten Möbeln, was für einen grossen Wiedererkennungswert sorgt.  Sie verbessern die Auslastung, indem sie für Studierende Long Stays anbieten. Es gibt ein Unterhaltungsprogramm und Begegnungsflächen. 50 bis 60 Prozent der Zimmer werden langfristig für ein bis zwei Jahre vermietet. Dies zwar zu tieferem Preis, dafür verbessert sich die Auslastung.

Wo sehen Sie in der Praxis oftmals Verbesserungsbedarf?
Viele Hotels haben einen enormen Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Der Branche fehlen die Fachkräfte. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Mit der Digitalisierung lässt sich dies ausgleichen. Den bestehenden Mitarbeitenden bleibt dann mehr Zeit, um für die Gäste ein tolles Erlebnis zu ermöglichen. Dies steckt noch ziemlich in den Kinderschuhen.