Bruno Hauswirth, Grindelwald hat 2024 rund 1,6 Millionen Logiernächte erzielt und eine Hotelauslastung von über 70 Prozent. Was macht die Destination erfolgreich?
Wir konzentrieren uns konsequent auf unsere eigenen Stärken. Mit der Eigernordwand, der alpinen Landschaft und dem Jungfraujoch verfügen wir über einzigartige Voraussetzungen. Deshalb orientieren wir uns nicht am Durchschnitt, sondern an den besten Destinationen im Alpenraum.
Mit welchen Destinationen vergleichen Sie sich?
Wir schauen bewusst auch ins Ausland. Orte wie Zermatt oder St. Moritz gehören ebenso dazu wie internationale Destinationen in Österreich oder Frankreich. Von den Besten kann man lernen.
Sie sprechen oft von Qualität statt Quantität. Was bedeutet das konkret?
Wir wollen nicht einfach möglichst viele Gäste. Entscheidend ist, dass sich Gäste, Einheimische und Leistungsträger wohlfühlen. Wachstum muss nachhaltig sein und zur Destination passen.
Trotzdem steigen die Gästezahlen weiter. Besteht die Gefahr von einem zu hohem Tourismusdruck?
Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Unser Ziel ist es, Nachfragespitzen zu entschärfen und die Nachfrage besser über das ganze Jahr zu verteilen. Ganzjahrestourismus ist dabei ein wichtiger Ansatz.
Lässt sich der Besucherstrom überhaupt steuern?
Eine vollständige Steuerung gibt es nicht. Aber wir arbeiten mit verschiedenen Instrumenten, analysieren die Nachfrage und versuchen, Gäste zeitlich und räumlich besser zu verteilen. Das braucht Zeit und die Zusammenarbeit vieler Partner.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit in Grindelwald?
Eine sehr grosse. Wir arbeiten eng mit den Jungfraubahnen sowie mit Hotellerie, Bergbahnen, Gemeinde und weiteren Partnern zusammen. Eine Destination kann nur erfolgreich sein, wenn alle am gleichen Strick ziehen.
Wie wichtig ist die internationale Nachfrage?
Wir verfügen über eine breite Marktabstützung. Rund 35 Prozent unserer Gäste stammen aus der Schweiz, etwa je 22 bis 23 Prozent aus Asien und Europa sowie rund 14 Prozent aus den USA. Diese Diversifikation macht uns widerstandsfähiger.
Wie gehen Sie mit Schwankungen in einzelnen Märkten um?
Wir setzen nicht auf einen einzigen Markt. Wenn sich ein Markt schwächer entwickelt, können andere dies teilweise auffangen. Dasselbe gilt für die Jahreszeiten: Wir denken nicht nur an den Winter, sondern auch an Frühling, Sommer und Herbst.
Sie sind in Grindelwald aufgewachsen. Hilft Ihnen diese Verwurzelung?
Ja. Wer hier aufgewachsen ist, kennt die Bedürfnisse der Bevölkerung und weiss gleichzeitig, wie attraktiv die Region für Gäste ist. Nach Aufenthalten in Japan, Neuseeland und Nordamerika wurde mir noch stärker bewusst, welches Privileg es ist, hier leben und arbeiten zu dürfen.
Wie soll sich Grindelwald in den kommenden Jahren entwickeln?
Wir wollen unseren Weg konsequent weitergehen: qualitatives Wachstum, starke Partnerschaften und eine Entwicklung, die sowohl für Gäste als auch für die Bevölkerung langfristig einen Mehrwert schafft. (grb)
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