Die neusten Auswertungen der SPASS-Daten des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung erschrecken: Seit 1964 hat die Destination Gstaad 42 Prozent an schneesicheren Pisten verloren, das Toggenburg 38 Prozent, Arosa-Lenzerheide 23 Prozent. Als schneesicher gilt, wenn während 100 Tagen mindestens 30 Zentimeter natürlicher Schnee liegen. Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer deutlicher spürbar, nicht nur bezüglich Schneesicherheit.
Die Gründe sind bekannt. Auch, dass der Tourismus nicht nur Betroffener ist, sondern gleichzeitig namhafter Verursacher. Das hat wesentlich damit zu tun, dass Mobilität die zentrale Voraussetzung des Tourismus ist: Ohne Mobilität kein Tourismus. Dabei spielt der Luftverkehr mit seinen grossen Klimawirkungen eine wichtige Rolle. Im Flugverkehr wird nicht nur CO₂ emittiert, sondern auch weitere Treibhausgase wie Wasserdampf, Russ, Stick- und Schwefeloxide mit einer langen Verweildauer.
Gehe man nicht nur vom CO₂-Ausstoss, sondern von den Klimawirkungen aus, so betrage in der Schweiz der Anteil des Flugverkehrs 27 Prozent, schreibt der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 24. November 2021 auf eine Interpellation der Nationalrätin Franziska Ryser. Dieser Anteil liege damit höher als jener des übrigen Verkehrs (23 %), der Gebäude (18 %), der Industrie (18 %) und weiterer. Langfristig müsse auch die Klimabilanz der Luftfahrt ausgeglichen sein, weshalb alle Auswirkungen auf das Klima zu berücksichtigen seien.
Der Schlüssel liegt in der Politik: Verbindliche Beimischquoten treiben nachhaltige Treibstoffe voran und senken die Klimawirkung.
Dieser Tatsache ist sich auch die Luftfahrtindustrie bewusst. Die Swiss will bis 2030 die CO₂-Emissionen gegenüber 2019 halbieren und bis 2050 netto null erreichen. Das Fliegen zu viel zu billigen Preisen deckt die volkswirtschaftlichen Vollkosten nicht. Eine hoffnungsvolle Option stellen die synthetischen Treibstoffe dar. Das CO₂ wird dabei der Atmosphäre entnommen und beispielsweise mithilfe von Sonnenlicht in Sustainable Aviation Fuel (synthetisches SAF) umgewandelt. Zwar wird bei der Verbrennung das CO₂ dann wieder freigesetzt, doch bleibt der synthetische Treibstoff unter dem Strich CO₂-neutral.
Der Schlüssel, um SAF zum Durchbruch im Markt zu verhelfen, liegt bei der Politik. Als Vorreiterin zur EU könnten ambitiös steigende Beimischquoten festgelegt werden, nicht nur die aktuellen 5 Prozent. Nur so wird ein Markt entstehen, der Verfahrensinnovationen beschleunigt und die Preise senkt. Prädestiniert sind Standorte mit viel Sonnenenergie und einer aus der Erdölindustrie bereits vorhandenen Distributionsinfrastruktur. Und der Vorteil ist: Es braucht einfach den politischen Willen, diese steigenden Beimischquoten festzulegen und durchzusetzen, und es hat kaum Einfluss auf das Staatsbudget. Die Mehrkosten, die dabei für Airlines entstehen, sollen nicht nur als Ärgernis, sondern als erwünschtes Ergebnis gewertet werden, um Fehlanreize von Billigangeboten zu mindern. Deshalb gehört dieser Ansatz in die neue Tourismusstrategie des Bundes.
Übrigens: Fortschrittliche Airliner sollten mit diesen Vorschlägen kein Problem haben. Und verantwortungsvolle Touristikerinnen könnten schon heute «Green Tickets» mit einem respektablen Anteil an SAF-Treibstoff kaufen.
