HotellerieSuisse hat die Nein-Parole zur sogenannten Chaos-Initiative («Keine 10-Millionen-Schweiz») beschlossen. Der Verband warnt vor erheblichen Folgen für Tourismus und Beherbergung, sollte die Vorlage angenommen werden.

Einstimmiger Entscheid
Die Regionalverbandskonferenz von HotellerieSuisse fasste den Entscheid einstimmig. Die Initiative verlangt eine Begrenzung der ständigen Wohnbevölkerung auf maximal zehn Millionen Menschen. Wird dieses Ziel überschritten, müssten internationale Abkommen gekündigt werden, darunter insbesondere die Personenfreizügigkeit mit der EU.

Aus Sicht des Branchenverbands würde dies grosse Unsicherheiten für die Tourismuswirtschaft schaffen. Der Schweizer Tourismus sei stark international vernetzt und auf stabile Beziehungen zur Europäischen Union angewiesen. Starre Vorgaben auf Verfassungsebene könnten zentrale Fragen offenlassen und Planungsunsicherheit für Betriebe schaffen.

Mitarbreitende aus EU- oder EFTA-Staaten
Besonders kritisch sieht HotellerieSuisse die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Rund 30 Prozent der Mitarbeitenden im Gastgewerbe stammen aus dem EU- oder EFTA-Raum. Ohne Personenfreizügigkeit würde die Rekrutierung von Arbeitskräften deutlich schwieriger. Der bereits bestehende Fachkräftemangel könnte sich weiter verschärfen. Laut Direktor Christian Hürlimann müssten Betriebe im Extremfall ihr Angebot reduzieren oder Öffnungszeiten einschränken, was sich auf Servicequalität und Wettbewerbsfähigkeit auswirken würde.

Teilnahme am Schengenraum gefährdet
Auch die internationale Erreichbarkeit der Schweiz könnte leiden. Fällt die Personenfreizügigkeit weg, könnte die Schweiz ihre Teilnahme am Schengen-Raum verlieren. Systematische Grenzkontrollen und strengere Visumsregeln würden Reisen erschweren und zu längeren Wartezeiten führen. Davon wären auch Gäste aus Fernmärkten betroffen, etwa aus den USA oder den Golfstaaten, die insbesondere in der Nebensaison eine wichtige Rolle spielen.

HotellerieSuisse befürchtet zudem negative Auswirkungen auf das internationale Image der Schweiz. Der Tourismus profitiere stark vom Ruf des Landes als offenes und gut erreichbares Reiseland. Eine Annahme der Initiative könnte diese Wahrnehmung schwächen, sagt Präsident Martin von Moos.

Der Verband will sich deshalb aktiv am Abstimmungskampf beteiligen. Gemeinsam mit Partnern aus der Tourismusbranche will HotellerieSuisse auf die möglichen Folgen der Initiative für Betriebe, Mitarbeitende und Gäste aufmerksam machen. (mm)


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