Ein Dachstockbrand beschädigte am 19. Juli einen Gebäudeteil des Hotels Continental Park in Luzern. Während 19 Zimmer vorerst saniert werden müssen, blieb das  Restaurant Bellini im Erdgeschoss unbeschädigt und durchgehend geöffnet.[RELATED]

Alessandro Pedrazzetti, Ihr Hotel brennt, und nur zwölf Stunden später empfangen Sie bereits wieder Gäste. Wie empfanden Sie die ersten Stunden nach dem Brand?

Die Normalität fängt nach so einem Ereignis relativ schnell wieder an, weil man einfach nach vorn schauen und organisieren muss. Bei uns teilte sich das Ganze sofort auf: Einerseits läuft das Hotel weiter, andererseits ist ein Teil geschlossen. Während uns Architekten, Innenarchitekten und Ingenieure die grösste bauliche Planungsarbeit abnehmen, liegt unsere Hauptaufgabe in der Organisation des laufenden Betriebs. Das Wichtigste ist, dass die Menschen nicht annehmen, das Hotel sei komplett geschlossen.

Sie haben direkt nach dem Brand viele Telefonate mit Gästen und Partnern geführt. Welche Rolle spielte diese proaktive Kommunikation?

Wir hatten praktisch keine Absagen, weil wir sofort und absolut transparent kommuniziert haben. Schon zwölf Stunden nach dem Dachstockbrand war klar, dass alles normal weiterläuft, ausser im direkt betroffenen Gebäudeteil. Ich habe sofort herumtelefoniert, um Lösungen für unsere Gäste zu finden. Luzern Tourismus und weitere Akteure mussten wissen, dass wir offen sind. Nur so konnten wir verhindern, dass Unsicherheiten entstehen.

In Ihrer Kommunikation sprechen Sie heute konsequent nicht mehr vom Brand, sondern von der Sanierungsphase. Welches Signal senden Sie damit an den Markt?

Auch hier geht es darum, zu zeigen, dass wir geöffnet haben. Wir sind online voll präsent und die erste Schockphase ist durch. Jetzt wollen wir vorausschauen und den Brand in die zweite Reihe stellen, sonst kommt man als Betrieb nicht weiter. Indem wir den Fokus auf die Sanierung legen, machen wir den Schritt nach vorn für alle sichtbar.

Ihr Betrieb erwirtschaftet rund 60 Prozent des Umsatzes in der Hotellerie und 40 Prozent in der Gastronomie. Wie stark stützt diese Aufteilung das Haus in der aktuellen Phase?

Das Restaurant Bellini ist zum Glück völlig unbeschädigt geblieben und läuft normal weiter. Das sichert uns eine wichtige Basis. Die treuen Gäste – gerade im Restaurant – zeigen enorme Solidarität. Diese loyale Basis baut man sich aber vorher auf, nicht erst in einer Krise. Wer seine Gäste in guten Zeiten nicht pflegt, kommt auch nach so einem Ereignis nicht weit. 

Vor welchen baulichen Herausforderungen stehen Sie nun?

Das Feuer war das eine, aber das Löschwasser ist in einem alten Haus mit Holz und Strohmatten die weitaus grössere Herausforderung. Wir müssen das Gebäude jetzt Stock für Stock bis auf den Rohbau zurückbauen, neu auskleiden und möblieren. 

Wie lange dauert die Sanierung?

Das lässt sich noch nicht sagen.

Sie haben in den letzten 20 Jahren fast neun Millionen Franken in das Haus investiert. Lässt sich das finanzielle Ausmass des neuen Schadens in dieser vierten Woche nach dem Brand bereits beziffern?

Nein, das ist zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich zu sagen. Es gibt noch viel zu viele Fragezeichen. 

Worauf achten Sie bei der Totalsanierung?

So ein Ereignis ist immer auch eine Chance. Jetzt haben wir die Möglichkeit, die Immobilienstruktur an die veränderten Zeiten anzupassen und Abläufe zu vereinfachen. Konkret planen wir zum Beispiel, die gesamte Wäscherei und Lingerie im Haus zentraler zu positionieren.

Ein Wort zum Brandschutz. Würden Sie heute etwas anders machen?

Nein. Die Mitarbeitenden waren geschult. Das Hotel war innerhalb von nur zehn Minuten evakuiert. Der Schlüssel sind unsere monatlichen Brandschutzschulungen. Auch wenn solche Übungen im Alltag manchmal nerven, zeigt sich im Ernstfall, dass sie überlebenswichtig sind. Unsere Mitarbeitenden wussten genau, was zu tun ist, und haben die Situation sofort in den Griff bekommen. Zudem haben die baulichen Brandschutzmassnahmen, insbesondere die einzelnen Brandzellen in den Zimmern, absolut gehalten. Das war eine wichtige Erkenntnis.

Als Ursache wurde ein technischer Defekt an einem eigentlich gewarteten Klimaanlagen-Trafo ermittelt. Machen Sie sich trotzdem Vorwürfe?

Die Brandursache war über die Polizei bereits am nächsten Tag geklärt. Da die Geräte regelmässig gewartet wurden, müssen wir es als das akzeptieren, was es ist: reines Pech. Für uns gilt jetzt einfach, konsequent weiterzumachen. Unsere Brandschutzschulungen laufen unvermindert weiter – auch mit all den neuen Mitarbeitenden, die jetzt zu uns stossen. 

Was war Ihre wichtigste Erkenntnis?

Ich war vor Ort und war das Bindeglied zwischen dem Hotel und den Behörden sowie den Einsatzkräften. Man kennt das eigene Haus schliesslich am besten und kann der Feuerwehr sagen, wo die schnellsten Zugänge sind oder wie man technische Anlagen abschaltet. Diese Kooperation vor Ort beschleunigt die Rettungs- und Löscharbeiten massiv.