Vor wenigen Tagen war ich zu Gast im Maison Hornberg in Saanenmöser bei Gstaad, anlässlich einer Aufsichtsratssitzung der Romantik-Hotels. Geführt von Brigitte und Christian Hoefliger-von Siebenthal, ist dieses Haus ein Paradebeispiel für gelebte Privathotellerie über Generationen hinweg. Und ich muss sagen: Es war ein Aufenthalt, der mich tief beeindruckt hat. 

Was hier tagtäglich geleistet wird, ist bemerkenswert. Freundliche, kompetente, mitdenkende Mitarbeitende, ein top gepflegtes Haus mit einer Atmosphäre, die Wärme und Qualität zugleich ausstrahlt. Alles wirkte authentisch, unaufgeregt und dennoch professionell bis ins Detail. Ich habe selten ein so sauberes, liebevoll geführtes Hotel erlebt. Es war ein Erlebnis, das man nicht inszenieren kann, es muss gelebt werden. 

Genau darin liegt die Stärke der Privathotellerie. Sie ist der Ort, an dem Gastfreundschaft nicht nur ein Markenversprechen ist, sondern gelebte Haltung. In einer Branche, in der viele Häuser inzwischen stark von Markenstrukturen, Investorenvorgaben und Standardisierung geprägt sind, verkörpern privat geführte Betriebe etwas, das gerade heute wieder besonders wertvoll wird: Nähe, Persönlichkeit und echte Dienstleistung. 

Der Mut, sich selbstständig zu machen oder ein Familienunternehmen weiterzuführen, verdient Anerkennung.

Natürlich haben auch Kettenhotels ihre Berechtigung, keine Frage. Aber der Mut, sich selbstständig zu machen oder ein Familienunternehmen weiterzuführen, verdient besondere Anerkennung. Privathotels sind nicht nur Gastgeber, sie sind Unternehmer. Sie führen Betriebe mit eigenem Risiko, gestalten ihre Kultur selbst und übernehmen Verantwortung für Menschen, Orte und Erlebnisse. Das ist mehr als Verwaltung, das ist echtes Unternehmertum. 

Ich bin damals in die Hotellerie gegangen, weil ich mit Menschen für Menschen arbeiten wollte. Diese intrinsische Motivation ist in Häusern wie dem Maison Hornberg spürbar. Dort wird nicht nur bedient, dort wird begeistert, überrascht, mitgedacht. Genau das macht den Unterschied. Und genau das macht unsere Branche so besonders.

In einer Zeit, in der die Welt laut, komplex und oft unpersönlich geworden ist, werden solche Orte eine neue Bedeutung bekommen. Die Privathotellerie bietet das, was viele Menschen suchen: Rückzug, Stabilität, ehrliche Begegnung. In instabilen Zeiten braucht es stabile Geister, und genau diese findet man in den Betrieben, wo Herzblut den Kurs bestimmt. 

Ich bin überzeugt: Die Privathotellerie wird eine Renaissance erleben. Nicht als Gegenmodell zur Kette, sondern als Ergänzung – mit anderen Werten, anderer Haltung, aber mit derselben Leidenschaft für Gastlichkeit. Und vielleicht ist jetzt genau die Zeit, in der wir jungen Menschen wieder mehr Mut machen sollten, diesen Weg zu gehen. Denn wir brauchen sie, die Gastgeberinnen und Gastgeber mit Herz und Haltung.

Zur Person
Marco Nussbaum ist Hotelier, Unternehmer und Branchenvordenker. Nach Führungspositionen in internationalen Hotelgruppen gründete er die Marke Prizeotel, die später von der Radisson Hotel Group übernommen wurde. Heute ist er Co-Founder und CEO der Hiamo AG und engagiert sich als Dehoga-Präsidiumsmitglied, IHA-Vorstand sowie in verschiedenen Aufsichtsräten für eine zukunftsfähige Branche: werteorientiert, digital und menschlich geprägt. Zudem ist er regelmässig als Kolumnist, Speaker und Podcaster aktiv.