Die Schweizer Hotellerie blickt auf ein starkes Jahr zurück: 42,8 Millionen Übernachtungen im Jahr 2024 – ein neuer Höchstwert. Städte wie Zürich, Basel und Genf profitierten ebenso wie die Bergregionen von der anhaltend hohen Reiselust. Doch hinter den Kulissen bleiben die Herausforderungen dieselben: kurze Buchungsfenster, steigende Kosten, Fachkräftemangel und Kommissionen, die an der Marge nagen.

Schon lange reicht es nicht mehr, die Planung nach dem Schema «Vorjahr plus zehn Prozent» zu gestalten. Das Gästeverhalten ist zu volatil, und externe Faktoren wie Währungsschwankungen oder verschobene Events können jede Kalkulation ins Wanken bringen. Forecasting ist deshalb kein theoretisches Konzept mehr – es dient als Kompass für operative, kommerzielle und finanzielle Entscheidungen.

Wenn Technologie auf Erfahrung trifft
Die besten Prognosen entstehen, wenn Datenintelligenz und menschliches Urteilsvermögen zusammenkommen. Moderne Systeme erkennen automatisch Veränderungen im Buchungsverlauf, simulieren Szenarien und aktualisieren Forecasts in Echtzeit. Sie liefern Geschwindigkeit, Präzision und Konsistenz. Doch die entscheidenden Nuancen kennen nur die Menschen vor Ort: ein geschlossenes Restaurant beim Mitbewerber, ein lokales Festival oder die Belastungsgrenze des eigenen Teams. Ein Forecast gibt Orientierung, keine Gewissheit – und genau darin liegt seine Stärke. Wer ihn richtig interpretiert, handelt strategisch. Wer ihn ignoriert, reagiert nur noch.

Warum «Bauchgefühl plus lineares Wachstum» nicht mehr reicht
Die Spielregeln haben sich verändert. Buchungsfenster sind heute deutlich kürzer: Ein Grossteil der Gäste reserviert innerhalb von zwei Wochen vor Anreise. Eine Prognose, die einmal monatlich erstellt wird, ist oft schon veraltet, bevor sie umgesetzt ist. Auch Währungsschwankungen spielen eine zentrale Rolle: Ein starker Franken kann die Nachfrage aus Deutschland über Nacht bremsen, während Langstreckenmärkte stabil bleiben.

Viele Betriebe orientieren sich weiterhin an Mitbewerbern oder verlassen sich auf ihr Bauchgefühl. Doch die Marktdynamik lässt dafür kaum Spielraum. Der Fokus der Revenue Manager verschiebt sich: weg von manuellen Excel-Prognosen, hin zur Interpretation und Entscheidungsfindung auf Basis automatisierter Signale.

Basel und die Lehre der Eurovision-Woche
Wie Forecasting in der Praxis funktioniert, zeigte der Eurovision Song Contest 2025 in Basel. Während viele Medien von einer enttäuschenden Woche sprachen, sah das Bild bei mehreren Häusern, die Room Price Genie nutzten, anders aus.

Der Start war verhalten, doch ab Donnerstag stieg die Nachfrage sprunghaft an. Hotels, die ihre Buchungsgeschwindigkeit beobachteten und Preise oder Mindestaufenthalte dynamisch anpassten, erreichten Belegungen von rund 87 Prozent und einen durchschnittlichen Tagespreis von über 300 Franken. Wer hingegen an starren Vorgaben festhielt, verpasste den Peak.

Die Lehre daraus: Forecasting ist kein Monats-bericht, sondern ein fortlaufender Prozess. Wenn sich die Realität vom Forecast entfernt, ist das kein Fehler, sondern ein Handlungsimpuls. Häuser, die ihre Prognosen als laufendes Signal nutzten, konnten rechtzeitig reagieren – die anderen nicht.

Handlungsfähigkeit durch flexible Planung
Forecasting endet nicht bei Events. Es ist auch ein Werkzeug für den Alltag. Das Personal sollte entlang des realistisch tiefsten Belegungspfades geplant und bei steigender Nachfrage mit flexiblen Schichten erhöht werden. Gerade in der Schweiz, wo Lohnkosten hoch und Fachkräfte rar sind, ist Überbesetzung teuer.

Zwei Budgetvarianten sollten erstellt werden, eine für den Fall verspäteter Schneefälle, eine für eine Frankenaufwertung unter 0.90 Franken. Auch in der Zwischensaison lässt sich Nachfrage gezielt steuern: Kombinierte Angebote wie ÖV-Pässe, Fondue-Gutscheine oder Wellness-Add-ons halten den durchschnittlichen Tagespreis stabil und bieten Gästen echten Mehrwert.

Seit der Einführung der Lex Booking haben Schweizer Hoteliers zudem die Freiheit, direkt bessere Konditionen anzubieten als auf OTAs. Forecasts helfen zu entscheiden, wann der Direktvertrieb sinnvoll ist – und wann die Reichweite über Plattformen nötig bleibt.

Forecasting als Realitätscheck
Forecasts sind die Frühwarnsysteme des Revenue Managements. Sie zeigen, ob die Preisstrategie zur Marktnachfrage passt:

  • Liegen Reservationszahlen über der Prognose, sind die Preise wahrscheinlich zu tief.
  •  Liegen sie darunter, sind sie zu hoch oder die Sichtbarkeit ist zu gering.
  •  Wenn sich Forecast und Buchungstempo decken, ist die Strategie im Gleichgewicht

Ein lebendiger Prozess statt jährliches Ritual
Forecasting entfaltet seinen Wert erst, wenn es kontinuierlich gepflegt wird. Wer seine Prognosen monatlich mit den Ist-Zahlen vergleicht und Anpassungen vornimmt, schafft einen lebendigen Dialog zwischen Daten und Erfahrung.

In einem Markt, der immer unvorhersehbarer wird, ist diese Kombination aus Tempo und Urteilsfähigkeit entscheidend. So sichern Hotels ihre Rentabilität – während andere noch versuchen, den Anschluss zu finden. Perfekt wird eine Prognose nie sein. Aber als laufendes Gespräch zwischen Technologie und Menschenverstand gehört Forecasting heute zu den zentralen Führungsinstrumenten der Hotellerie.

Dieser Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit Room Price Genie entstanden.

Flexibles Preismanagement für unabhängige Hotelbetriebe
Room Price Genie bietet eine automatisierte Lösung für die Preisgestaltung von Hotelzimmern. Die Plattform wurde speziell für kleinere und unabhängige Beherbergungsbetriebe entwickelt und zeichnet sich durch eine einfache Implementierung, intuitive Bedienung sowie Transparenz aus. Nutzende können wählen, ob sie die Preisgestaltung vollständig automatisieren oder manuell anpassen möchten.

Rodman von Heeren, Senior Sales und Revenue Manager Schweiz bei Room Price Genie